Für die wöchentliche Routine reichen 60 Sekunden, ein Mikrofasertuch und lauwarmes Wasser. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst anfeuchten oder abspülen, dann wischen. Quarzstaub erreicht Mohs-Härte 7 und ist damit härter als jeder Uhrenstahl bei etwa 5,5. Deshalb ist ein trockenes Tuch über einer staubigen Uhr die häufigste Kratzerquelle überhaupt. Politurpaste gehört ausschließlich auf hochglanzpolierte Flächen, auf satinierten Partien zerstört sie das Finish dauerhaft. Politur trägt Metall ab: Wer beim Service keine Politur will, sagt das beim Auftrag. Hersteller empfehlen je nach Marke eine Revision alle 2 bis 10 Jahre.
Die 60-Sekunden-Routine für die Woche.
Eine Minute pro Woche reicht, um eine Uhr sauber zu halten. Fünf Schritte genügen, entscheidend ist ihre Reihenfolge.
Erstens die Krone prüfen: Sie muss vollständig in Ruheposition sitzen, bei verschraubten Kronen festgeschraubt. Zweitens die Uhr anfeuchten, entweder unter einem sanften Wasserstrahl oder mit einem feuchten Tuch. Nie trocken loswischen, dazu gleich mehr. Drittens mit dem angefeuchteten Mikrofasertuch über Gehäuse und Bandoberseite, auf satinierten Flächen in Strichrichtung. Viertens die Zwischenräume: Schließeninnenseite, Gliederspalte, der schmale Bereich zwischen Endglied und Gehäuse.
Fünftens, und das ist der Schritt, der die Routine von einer Putzaufgabe unterscheidet: der Blick. Sitzen die Federstege fest? Sind die Bandschrauben noch angezogen? Klappt der Schließenbügel sauber ein? Ist der Glasrand frei von Fasern, und beschlägt nichts von innen?
Wer wöchentlich eine Minute reinigt, betreibt nebenbei das billigste Frühwarnsystem gegen den Verlust der Uhr.Aus der Praxis · Andre Hörner
Genau dort liegt der eigentliche Wert. Ein ermüdeter Federsteg kündigt sich an, bevor er bricht. Eine lockere Schließe merkt man, bevor die Uhr vom Handgelenk fällt. Beides sieht man nur, wenn man die Uhr regelmäßig in die Hand nimmt und hinschaut.
Womit Sie reinigen, und womit nicht.
Die Ausrüstung für alles, was in diesem Artikel steht, kostet weniger als zehn Euro und passt in eine Schublade.
Was Sie brauchen: zwei Mikrofasertücher, eines zum Reinigen und eines zum Trocknen. Eine weiche Zahnbürste, gern eine ausgediente. Ein paar Holzzahnstocher. Eine kleine Schale. Zusatzfreie Seife. Das ist die vollständige Liste.
Was nicht ins Haus kommt: Scheuermilch, Chlorbleiche, Edelstahlreiniger, Glasreiniger, Zahnpasta, Backpulver, Poliertücher mit eingearbeiteter Paste, harte Bürsten, Metallwerkzeug in Glasnähe. Und Papiertaschentücher, deren Fasern gröber sind, als die meisten vermuten.
Bei der Seife ist nicht die Seife das Problem, sondern was ihr beigemischt ist. Handseifen und Spülmittel enthalten rückfettende Pflegestoffe. Die hinterlassen genau die Filme in Gliederzwischenräumen und Schließe, die Sie eigentlich entfernen wollen. Die Herstellervorgaben sind hier bemerkenswert einheitlich: mild, neutral, zusatzfrei, und gründlich klar nachspülen.
Ein Mikrofasertuch nimmt Schmutz auf und gibt ihn nicht von allein wieder ab. Waschen Sie es regelmäßig, ohne Weichspüler, und bewahren Sie es geschlossen auf. Ein Tuch, das offen auf der Kommode lag, ist kein sauberes Tuch mehr.
Warum das Tuch das eigentliche Risiko ist.
Ritzen kann nur, was härter ist. Das klingt banal, hat aber eine Konsequenz, die den meisten Reinigungsratgebern entgeht.
Quarz ist der Hauptbestandteil von Staub, Sand und Betonabrieb und liegt auf der Mohsschen Härteskala bei 7. Edelstahl liegt bei etwa 5,5, Mineralglas bei 5, Acrylglas bei 3 bis 4. Saphirglas liegt mit 9 darüber. Das heißt: Der Staub, der auf Ihrer Uhr liegt, ist härter als das Gehäuse und bei den meisten Uhren auch härter als das Glas.
Ein trockenes Tuch schiebt diese Partikel über die Oberfläche. Es reinigt nicht, es schleift. Der gefährlichste Reiniger ist also nicht das falsche Mittel, sondern das Tuch, in dem noch Sand steckt.
Daraus folgt die Regel, die diesen ganzen Artikel trägt: erst spülen oder anfeuchten, dann wischen. Das Wasser schwemmt die harten Partikel weg, bevor das Tuch sie verteilen kann. Und beim Wischen die Tuchstelle wechseln, damit aufgenommener Schmutz nicht zurück in die Oberfläche gerieben wird.
Holz liegt bei Mohs 2 bis 3, Nylonborsten darunter. Beide können Edelstahl nicht ritzen. Deshalb sind ausgerechnet Zahnstocher und weiche Zahnbürste die sichersten Werkzeuge an einer Uhr, während das teure Poliertuch das riskanteste ist.
Eine Besonderheit gilt für entspiegelte Gläser. Welche Glasarten es gibt und wie sie sich unterscheiden, haben wir gesondert beschrieben. Für die Reinigung zählt ein Punkt: Die Entspiegelungsschicht ist weicher als das Glas darunter und damit die empfindlichste Fläche der gesamten Uhr, Oris bestätigt das ausdrücklich. Was wie ein Kratzer im Saphirglas aussieht, ist bei entspiegelten Uhren meist eine abgeriebene Stelle in dieser Schicht. Unsere Nova trägt eine beidseitige Entspiegelung, eine dieser Schichten sitzt also außen. Für die Praxis heißt das schlicht: sauberes Tuch, kein Papier, kein Glasreiniger, und nichts Polierendes in Glasnähe.
Metallarmband reinigen: Schließe, Endglied, Spalt.
Wenn eine Uhr unangenehm riecht oder das Band dunkel anläuft, liegt es fast immer an drei Stellen, die bei der normalen Reinigung übersprungen werden: der Faltschließe, dem Spalt am Endglied und den Gelenken zwischen den Gliedern.
Warum gerade enge Spalten rosten
Seiko beschreibt in einem Service-Bulletin zur Armbandpflege einen Zusammenhang, der zunächst widersprüchlich klingt: Gerade hochwertige Massivbänder mit eng anliegenden Gliedern sammeln Schweiß in ihren Spalten und halten ihn dort fest. In diesem schmalen Raum fehlt Sauerstoff, und die Schutzschicht des Edelstahls kann sich schlechter erneuern. Warum das so ist, steht im Kapitel zum richtigen Trocknen. Seiko rät deshalb, solche Bänder regelmäßig zu prüfen.
Das ist mehr als eine Frage der Optik. Grand Seiko warnt, dass fortschreitender Rost die Stifte zwischen den Gliedern heraustreten lassen kann, bis sich das Band vom Gehäuse löst oder sich die Schließe nicht mehr öffnen lässt. Casio warnt ebenfalls vor herausspringenden Stiften und ergänzt scharfe Stellen am Band. Unsere Pulsar trägt ein solches Band aus massiven Gliedern, verbunden mit Stiften. Gerade bei dieser Bauweise zahlt sich regelmäßige Spaltpflege am meisten aus.
Schließe, Endglied und Gelenke gezielt reinigen
Die Faltschließe liegt dauerhaft auf der Haut, hat Bügel, Scharniere und Innenflächen, und sie wird am seltensten gereinigt. Klappen Sie sie vollständig auf und bürsten Sie die Innenseiten aus. Verschmutzung ist zugleich eine der häufigsten Ursachen für schwergängige Schließen.
Der Endgliedspalt zwischen Band und Gehäuse sammelt Hautschuppen, Hautfett und Textilfasern. Mit der Zahnbürste allein kommt man nicht hinein, mit einem Holzzahnstocher schon. Für die Rückseite des Spalts, an die auch der Zahnstocher schlecht reicht, empfehlen Uhrenträger in Foren einen einfachen Trick: Zahnseide unter dem Endglied durchfädeln und wie beim Schuheputzen hin und her ziehen. Das Garn ist weich genug für jede Oberfläche und holt heraus, was sich an der Innenseite festgesetzt hat.
Die Gliedergelenke sind der Grund, warum Bandreinigung kein kosmetisches Thema ist. Eingeschlossener Schmutz wirkt im Gelenkspiel wie eine Schleifpaste: Die Stifte werden dünner, die Bohrungen weiten sich. Das ist der Mechanismus hinter dem, was man landläufig Ausleiern nennt. Regelmäßiges Ausspülen ist damit Verschleißschutz.
Nach dem Tragen zählt, wo die Uhr die Nacht verbringt. Citizen empfiehlt, eine verschwitzte Uhr gut abzuwischen und an einem luftigen Ort abzulegen, statt sie direkt in eine geschlossene Box zu legen. In der warmen, feuchten Luft einer geschlossenen Schatulle haben Schweißreste im Spalt ideale Bedingungen, und von dort kommt meist auch der Geruch.
Die Farbe verrät die Ursache
Casio weist außerdem darauf hin, dass Schweiß und Rost in den Spalten Hemdmanschetten verfärben und die Haut reizen können. Wer ein Band hat, das abfärbt, löst das in aller Regel mit gründlicher Reinigung. Die Farbe der Spur hilft bei der Zuordnung. Ein gelblicher bis goldener Rand an der Manschette stammt nach Angaben von Seiko und Grand Seiko aus Rost und Schweiß in den Gliederspalten, auch Citizen warnt vor Flecken an der Manschette. Hier hilft gründliches Reinigen und Trocknen der Zwischenräume. Ein schwarzgrauer Abrieb auf Haut oder Manschette hat oft eine andere Quelle: Uhrenträger berichten, dass Rückstände eines Poliertuchs zwischen den Gliedern sitzen bleiben und beim Tragen abfärben. Ein weiterer Grund, das Poliertuch vom Band fernzuhalten, mehr dazu im Kapitel zur Politur.
Halten Sie die Uhr waagerecht am Gehäuse, das Zifferblatt nach oben, und lassen Sie das Band frei abstehen, ohne es mit den Fingern zu stützen. Ein intaktes Band aus massiven Gliedern ragt fast gerade heraus. Hängt es deutlich durch, haben sich die Gelenke geweitet. Die zweite Probe: Legen Sie das Band flach hin und schauen Sie auf die Abstände zwischen den Gliedern. Sind sie ungleichmäßig, ist das Band gelängt. Bei Bändern aus gefalteten, innen hohlen Gliedern gehört etwas Durchhängen zur Bauart. Dort zählt der Vergleich mit dem Neuzustand. Welche Bauart Sie tragen, zeigt ein Blick auf die Kante eines Glieds: Eine sichtbare Fuge verrät gefaltetes Blech, eine glatte, durchgehende Kante das massive Glied, das auch spürbar schwerer in der Hand liegt.
Wenn Sie das Band waschen, das Gehäuse aber trocken halten wollen, wickeln Sie den Uhrenkopf in Frischhaltefolie. Beide Hersteller empfehlen das ausdrücklich, nachzulesen etwa in den Pflegehinweisen von Casio. So können Sie das Band gründlich bearbeiten, ohne die Krone und den Gehäuseboden ins Wasser zu bringen.
Nassreinigung: wann Wasser erlaubt ist.
Wasser ist das wirksamste Reinigungsmittel für eine Uhr, aber nur unter Bedingungen. Die wichtigste ist eine intakte Dichtheit, und die ist eine Eigenschaft des aktuellen Zustands, nicht der Angabe auf dem Gehäuseboden.
Ohne gesicherte Dichtheit bleibt es beim leicht angefeuchteten Tuch. Was die Angaben auf dem Boden bedeuten, warum 5 bar nicht fünfzig Meter heißt und wie Dichtungen altern, steht ausführlich in unserem Beitrag zur Wasserdichtigkeit bei Uhren.
Für die Reinigung selbst gelten vier Regeln. Die Krone zuerst: vollständig geschlossen, bei verschraubten Kronen festgezogen. Rolex weist in den eigenen Pflegehinweisen ausdrücklich darauf hin, vor jeder Reinigung den festen Sitz zu prüfen. Schale statt Wasserhahn: Grand Seiko empfiehlt, Wasser in ein Gefäß zu geben und die Uhr einzutauchen, statt sie unter den laufenden Hahn zu halten. Breitling erlaubt allenfalls einen dünnen Strahl. Dynamischer Strahldruck ist ein anderer Lastfall als der statische Prüfdruck. Lauwarm, nie heiß: Temperaturwechsel belasten die Dichtungen stärker als der Druck. Und niemals Krone oder Drücker unter Wasser oder an der nassen Uhr betätigen.
Der Materialunterschied entscheidet mit. Unsere Nova trägt ein italienisches Lederband, dort wird nur das Gehäuse feucht abgewischt und das Leder bleibt trocken. Wie Lederbänder gepflegt und gewechselt werden, steht im Beitrag zum Uhrenarmband aus Leder. Unsere Pulsar dagegen trägt ein Edelstahlband, und das darf unter den genannten Bedingungen mitsamt Schließe abgespült werden. Derselbe Hersteller, zwei Uhren, zwei verschiedene Vorgehensweisen: Das Bandmaterial entscheidet, nicht die Marke.
Richtig trocknen, das Zehn-Minuten-Protokoll.
Abtrocknen heißt für die meisten: die Oberfläche abwischen. Genau das ist zu wenig, und der Grund dafür ist Korrosionschemie.
Edelstahl ist rostfrei, weil ihn eine hauchdünne, selbstheilende Chromoxidschicht schützt. Chlorid-Ionen durchbrechen diese Schicht punktuell. In der entstehenden Vertiefung fehlt Sauerstoff, der Säuregrad steigt, Chloride reichern sich weiter an. Das Ergebnis ist Lochfraß, und er beginnt bevorzugt dort, wo Flüssigkeit stehen bleibt: zwischen den Gliedern, unter der Schließe, in den Federstegbohrungen, im Spalt zwischen Gehäuse und Boden.
Chlorid kommt nicht nur aus dem Meer. Menschlicher Schweiß enthält es dauerhaft, und getrocknetes Salz bleibt als Depot liegen, das beim nächsten Nasswerden wieder aktiv wird. Deshalb ist Abtrocknen wichtiger als Glänzen.
Das Protokoll: Zwischenräume gezielt auswischen, nicht nur die Flächen. Anschließend etwa zehn Minuten an der Luft nachtrocknen lassen, am besten mit der Schließe geöffnet. Kein Föhn, kein Heizkörper, keine Sonne auf der Fensterbank, denn Wärme belastet die Dichtungen genau in dem Moment, in dem sie ohnehin gefordert sind.
Nach Kontakt mit Salzwasser gilt das verschärft: noch am selben Tag mit Süßwasser spülen, Band, Schließe, Gehäuseboden und den Bereich um die Krone. Abspülen nach dem Meer ist Korrosionsschutz, nicht Kosmetik.
Uhr polieren: was Politur wirklich bewirkt.
Politur klingt nach Pflege. Tatsächlich ist sie Materialabtrag: Der Verband Euro Inox beschreibt Schleifen und Polieren als spanende Verfahren, die eine Metallschicht von der Oberfläche abtragen. An einer Uhr ist das eine folgenreiche Entscheidung.
Eine hochglanzpolierte Fase neben einer satinierten Fläche ist kein Zufall, sondern ein Arbeitsschritt, den jemand bewusst investiert hat. Der scharfe Übergang zwischen beiden ist genau das Detail, an dem sich gute Verarbeitung ablesen lässt. Wir haben das im Beitrag Woran man eine gute Uhr erkennt als Qualitätsmerkmal beschrieben.
Eine Politurpaste ebnet in wenigen Zügen das Detail ein, für das in der Fertigung ein eigener Arbeitsgang nötig war.Aus der Praxis · Andre Hörner
Was dabei passiert: Die Paste ebnet die feine Riefenstruktur der Satinfläche ein. Die matte Fläche wird glänzend, die Trennlinie verschwimmt, die Kante rundet ab. Rückgängig machen lässt sich das nur durch Nachsatinieren in exakt der ursprünglichen Schleifrichtung, und das ist ein Werkstattschritt, keine Pflegemaßnahme.
Bei beschichteten Gehäusen ist es endgültig. Eine PVD- oder DLC-Schicht ist laut dem Beschichter Oerlikon Balzers 0,5 bis 4 Mikrometer dünn. Polieren trägt sie ab und legt das Basismaterial frei, die Schadstelle wird also größer statt kleiner. Oris formuliert das für DLC unmissverständlich: Eine Aufarbeitung durch Polieren oder Neubeschichten ist nicht möglich, die beschädigten Teile müssen ersetzt werden. Auch Breitling poliert Modelle mit schwarzer DLC-Beschichtung und mit Breitlight nicht. Sinn arbeitet TEGIMENT-Oberflächen und geschwärzte Oberflächen ebenfalls nicht auf. TEGIMENT ist laut Sinn keine Beschichtung, sondern eine Härtung des Materials an der Oberfläche.
Der zweite Schaden ist einer, den man erst beim Verkauf bemerkt, vor allem bei Vintage- und Sammleruhren. Ein Spezialist des Auktionshauses Sotheby's beschreibt, dass sich eine Politur meist an den Bandanstößen verrät, weil sich deren Proportionen kaum polieren lassen, ohne sie zu verändern. Laut Phillips bevorzugen erfahrene Sammler unpolierte Modelle, denn Polieren gelingt nur durch Metallabtrag und kann die Grundstruktur verändern. Ganz pauschal gilt das nicht: Sotheby's sieht Restaurierung zunehmend akzeptiert, solange die charakteristischen Merkmale der Uhr erhalten bleiben.
Poliert, satiniert, beschichtet: die Matrix.
Bevor Sie etwas auf eine Fläche geben, klären Sie zuerst, welche Oberfläche vor Ihnen liegt. Der Test dauert zehn Sekunden: Halten Sie die Uhr schräg ins Licht. Sehen Sie feine, parallele Linien in einer Richtung, ist die Fläche satiniert. Spiegelt sie, ist sie poliert. Viele Uhren tragen beides nebeneinander.
Die satinierte Fläche ist dabei nichts anderes als gerichtet verkratztes Metall, erzeugt mit Schleifband und Vlies in einer Richtung. Der Verband Euro Inox rät, beim Angleichen einer solchen Fläche immer in der ursprünglichen Schliffrichtung zu arbeiten.
Welche Fläche verträgt was
| Merkmal | Poliert | Satiniert | PVD / vergoldet | Glas mit Entspiegelung |
|---|---|---|---|---|
| Woran Sie sie erkennen | Spiegelt, meist an Fasen und Kanten | Matt, mit feinen Linien in einer Richtung | Farbig oder schwarz, gleichmäßig gedeckt | Leichter Farbschimmer bei schrägem Licht |
| Trockenes Mikrofasertuch | Ja | Ja, in Strichrichtung | Ja, ohne Druck | Ja, aber nur mit sauberem Tuch |
| Lauwarmes Seifenwasser, weiche Bürste | Ja | Ja, in Strichrichtung | Ja, mild | Ja, danach klar nachspülen |
| Politurpaste, Cape-Cod-Tuch | Möglich, aber Materialabtrag | Nein, ebnet die Riefen ein; Cape Cod rät selbst ab | Nein, trägt die Schicht ab | Nein, greift die Entspiegelung an |
| Wenn doch geschehen | Meist unauffällig, Kanten verrunden mit der Zeit | Nachsatinieren im Fachbetrieb, in Originalrichtung | DLC laut Oris nicht aufarbeitbar, Teil wird ersetzt; galvanische Schichten teils neu beschichtbar | Schicht entfernen oder Glas tauschen |
Ein Beispiel aus dem eigenen Sortiment, weil es die Regel greifbar macht: Bei unserer Nova Eclipse ist die Lünette schwarz beschichtet, bei den übrigen vier Nova-Modellen besteht sie aus blankem Stahl. Dieselbe Baureihe, zwei verschiedene Antworten auf die Frage, was auf die Fläche darf. Welche Aufgaben eine Lünette überhaupt übernimmt, steht in einem eigenen Beitrag. Beschichtet heißt: sanft reinigen, niemals polieren.
Kratzer entfernen: selbst polieren oder polieren lassen.
Der erste Schritt ist eine ehrliche Diagnose, und dafür brauchen Sie kein Werkzeug. Als Faustregel dient der Fingernageltest: Fahren Sie mit dem Nagel quer über den Kratzer. Bleibt er hängen, ist die Riefe in der Regel zu tief für ein Poliertuch. Alles Weitere ist dann eine Frage für den Fachbetrieb.
Selbst behandeln sollten Sie nur feine Mikrokratzer auf hochglanzpolierten Partien. Alles andere hat klare Ausschlusskriterien: satinierte Flächen nein, beschichtete Gehäuse nein, vergoldete Teile nein, entspiegeltes Glas nein. Was bei Kratzern im Glas selbst noch geht, hängt ganz vom Glasmaterial ab.
Für Titan hält die Materialforschung ein interessantes Detail bereit, das gern missverstanden wird. Titan bildet seine schützende Oxidschicht nach einer Verletzung innerhalb von Millisekunden neu. Diese Repassivierung stellt allerdings nur den Korrosionsschutz wieder her, nicht die Geometrie. Im selben Versuch blieben Kratztiefen von sieben bis neun Mikrometern messbar. Der Kratzer verschwindet also nicht, er rostet nur nicht. Die Messwerte stammen aus einer Laborstudie unter hoher mechanischer Last und lassen sich nicht unmittelbar auf den Alltag übertragen.
Selbst polieren: nur auf Hochglanz
Der Hersteller von Cape-Cod-Poliertüchern beschreibt die Anwendung genau: sanft reiben, bei hartnäckigen Stellen etwas fester. Die Politur nehmen Sie noch feucht mit einem separaten Tuch ab, nicht abwaschen. Bei Edelstahl empfiehlt er, stumpfe oder fleckige Stellen in eine Richtung zu reiben. Für gebürstete oder satinierte Flächen rät er von den Tüchern ausdrücklich ab. Bei plattierten Teilen mahnt er zu besonderer Vorsicht, weil sich die dünne Schicht sonst vollständig abtragen lässt. Er empfiehlt, zuerst an einer unauffälligen Stelle zu testen.
Mattierte Gehäuseteile kleben Werkstätten vor dem Polieren millimetergenau ab, wie es der Juwelier Christ beschreibt. Der Verband Euro Inox rät im Zweifel, mit dem feineren Schleifmittel zu beginnen: Zu grobe Körnung kann die Oberfläche irreversibel schädigen. Ausnahmslos ungeeignet für Edelstahl sind laut der Edelstahl-Informationsstelle ISER Scheuerpulver, schwarze Stahlschwämme und Silberputzmittel. Christ rät zudem von Heimwerker-Experimenten mit Dremel und Schleifpaste ab, weil sich eine misslungene Politur meist nur aufwendig korrigieren lässt.
Uhr polieren lassen: was Hersteller und Werkstätten verlangen
Ob die Politur zum Service gehört, entscheidet die Marke: Omega, Oris, Breitling, NOMOS, Longines und Grand Seiko polieren im Komplettservice standardmäßig mit, andere nur auf Wunsch oder gegen Aufpreis. Die Übersicht vergleicht dreizehn Hersteller.
| Hersteller | Politur im Service | Preis laut Liste |
|---|---|---|
| Omega | Fester Schritt im Service | Im Servicepreis enthalten |
| Oris | In der Revision | Keine Preisliste |
| Breitling | Im Komplettservice; separater Polierdienst nur mit Wartungsservice | Polierdienst 140 €, Höchstpreis |
| NOMOS | In der großen Revision | Gehäuseaufarbeitung 75 bis 110 € |
| Grand Seiko | „Complete Service“ mit „Light Polish“ | Keine Preisangabe |
| Longines | In der vollständigen Wartung | Polieren 110 €, nur mit Teilservice |
| Rolex | Laut Ablaufseite auf Wunsch, poliert oder satiniert nach Originalfinish; laut FAQ Teil der Wartung | Keine Preise veröffentlicht |
| Tudor | Optional | Keine Angabe |
| Patek Philippe | Nur auf Kundenwunsch | Gehäuse oder Band 350 CHF, beides 500 CHF, Höchstpreise |
| IWC | Optionale Leistung, ablehnbar | Servicepreisrechner |
| TAG Heuer | Extra | Plus 95 € |
| Sinn | Zusatzleistung | Ab 200 € zusätzlich zur Revision, ohne Revision 298 bis 584 € |
| Junghans | Nur zusammen mit Unterhaltsdienst | Teilepreis auf Anfrage |
Preise laut Preislisten der Hersteller, abgerufen im September 2026, TAG Heuer laut Liste vom März 2026; Patek in Schweizer Franken ohne Steuern.
Wer das Originalfinish behalten will, muss das deshalb beim Auftrag ausdrücklich sagen. Bei IWC und Tudor lässt sich die Politur abwählen, bei King Seiko ist sie eine Option, die Sie aktiv dazu buchen. Cartier empfiehlt, Uhren aus Weißgold höchstens zweimal und aus Gelbgold höchstens dreimal im gesamten Leben der Uhr polieren zu lassen. Der Grund: Jedes Mal wird Metall abgetragen.
Freie Werkstätten nennen eigene Preise. Die Uhrmacherwerkstatt Berlin gibt als Richtpreise (Stand März 2026) an: nur Lünette oder Schließe ab 25 €, nur Band oder Gehäuse ab 75 €, beides zusammen in Edelstahl ab 150 €. MeinUhrmacher24 berechnet Kratzerentfernung am Gehäuse ab 105 € und am Metallband ab 95 € (Stand Mai 2023). Bei ChronoRestore liegen die meisten Band- und Gehäuseaufarbeitungen um 300 € (Stand August 2026).
Auch die Politur stößt an Grenzen. Tiefe Kratzer lassen sich oft nicht vollständig wegpolieren, das räumen Grand Seiko, King Seiko und NOMOS in den eigenen Servicehinweisen ein. IWC füllt tiefe Spuren stattdessen per Laserschweißen auf. Sinn nennt für eine Gehäuseaufarbeitung mit Materialauftrag ab 250 € (Preisliste gültig ab September 2026). A. Lange & Söhne füllt tiefe Kratzer mit Material, statt das Gehäuse bis zum tiefsten Punkt der Kerbe zu polieren.
Und dann ist da die Frage, die sich jeder selbst beantworten muss: Muss der Kratzer überhaupt weg? Mikrokratzer im Alltagsstahl sind normal. Laut Citizen verkratzen Oberflächen und nutzen sich mit der Zeit ab, auch bei ordnungsgemäßer Verwendung. Der eigentliche Schaden entsteht meist nicht durch den Kratzer, sondern durch das wiederholte Wegarbeiten.
Ultraschallbad: die Regel in drei Sätzen.
Kaum ein Thema wird so widersprüchlich behandelt. Die einen empfehlen das Ultraschallbad als gründlichste Methode, die anderen warnen davor. Beide Seiten haben recht, weil sie über verschiedene Dinge sprechen.
Im Ultraschallbad entstehen durch Druckschwankungen Dampfblasen, die anschließend implodieren. Das ist der Reinigungseffekt. In der Nähe einer festen Oberfläche kollabiert eine solche Blase aber nicht kugelförmig, sondern asymmetrisch: Es entsteht ein feiner Flüssigkeitsstrahl von zehn bis fünfzig Mikrometern Durchmesser, der mit 250 bis 300 Metern pro Sekunde auftrifft.
Und hier liegt der Denkfehler, den die bar-Angabe auf dem Gehäuseboden auslöst: Diese Belastung hat mit statischem Druck nichts zu tun. Die Prüfung nach ISO 22810 misst, ob eine Uhr einem gleichmäßigen Druck standhält. Ein punktueller Mikrostrahl ist ein völlig anderer Lastfall, den keine Wasserdichtigkeitsnorm abbildet. Eine 10-bar-Uhr ist deshalb nicht automatisch ultraschallfest.
Aufschlussreich ist, wer davon abrät. Der Gerätehersteller L&R schreibt selbst vor, den Uhrenkopf abzunehmen und nur das Band zu reinigen, weil die Schwingungen Blasen an Dichtungen vorbeitreiben können. Oris beantwortet die Frage nach dem Haushaltsgerät offiziell mit Nein. Und ein weit verbreitetes Missverständnis sei hier ausgeräumt: Rolex verbietet Ultraschall nicht, im Gegenteil, beim eigenen Komplettservice werden die zerlegten Bauteile ausdrücklich in Ultraschallmaschinen gereinigt. Der Unterschied liegt nicht im Verfahren, sondern darin, ob die Uhr zerlegt ist.
Die komplette, montierte Uhr gehört nie ins Haushalts-Ultraschallgerät. Ein abgenommenes, unbeschichtetes Stahlband ist in der Werkstattpraxis üblich und für zu Hause verzichtbar. Alles Beschichtete, Verklebte, Lederne und jedes Uhrwerk bleibt grundsätzlich draußen.
Wer ein abgenommenes Stahlband trotzdem selbst ins Bad gibt, sollte zwei Details aus der Werkstattpraxis kennen. Das Band gehört hängend in die Wanne, nie lose auf den Boden, wo es im Takt der Schwingungen umherwandert. Werkstätten nehmen dafür kunststoffbeschichtete Halter, ein Metallkorb geht auch, kann polierte Flächen aber fein zerkratzen. Und bei verschraubten Gliedern lohnt danach ein Blick auf die Schrauben, weil sich durch die Vibration einzelne lösen können.
Hausmittel im Faktencheck.
Zu jedem Hausmittel gibt es ein Forum, in dem jemand versichert, es funktioniere hervorragend. Meist stimmt das sogar, die Frage ist nur, was es nebenbei anrichtet.
Zahnpasta ist ein Schleifmittel, schon per Definition: Nach dem ADA-Standard darf ihre Abrasivität einen Wert von 250 erreichen. Diese Körnung ist auf Zahnschmelz abgestimmt, nicht auf Uhrenstahl. Auf Satinflächen, Beschichtungen und Entspiegelungen ist der Schaden dauerhaft. Für Backpulver gilt dasselbe mit noch weniger definierter Körnung.
Gebissreinigertabletten wirken tatsächlich, sie enthalten Aktivsauerstoff und Bleichkomponenten. Kein Uhrenhersteller gibt jedoch frei, wie diese Chemie auf Dichtungen, Klebungen und Beschichtungen wirkt. An einem abgenommenen blanken Stahlband mag das vertretbar sein, an der montierten Uhr überwiegt das Risiko.
Essig löst Kalk, greift aber Dichtungen an. Fensterreiniger und andere alkoholhaltige Reiniger schaden laut dem Kunststoffhersteller Röhm dem Acrylglas. Für entspiegelte Gläser genügen mildes Seifenwasser und ein sauberes Tuch. Eigene Vorsicht verdient Alkohol auf Acrylglas. Röhm stuft 2-Propanol (Isopropanol) in seiner Liste zum chemischen Verhalten als bedingt beständig ein, konzentrierten Alkohol und Spiritus dagegen als nicht beständig. In einer Prüfung zeigte 2-Propanol nach sieben Tagen Einwirkzeit Risse, bei einer Minute Einwirkzeit dagegen nicht. Am sichersten halten Sie Alkohol deshalb ganz vom Kunststoffglas fern, Ethanol und Spiritus in jedem Fall.
Manche fragen, ob sich Edelstahl mit WD-40 polieren lässt. Der Hersteller beschreibt das Produkt als Mittel zum Schmieren, Feuchtigkeitsverdrängen, Rostlösen und gegen Korrosion, vom Polieren ist dabei keine Rede. Es hinterlässt einen schützenden Schmierfilm auf der Oberfläche. An Dichtungen hat es zudem nichts zu suchen, weil manche Gummisorten bei längerem Kontakt aufquellen können.
Gar nicht erst schmutzig werden lassen.
Am wenigsten Aufwand haben Sie, wenn Schmutz gar nicht erst entsteht. Vier Gewohnheiten ersparen den größten Teil der Arbeit.
Kosmetik vor der Uhr. Parfum, Handcreme, Sonnenschutz, Desinfektionsmittel und Insektenschutz gehören auf die Haut, bevor die Uhr angelegt wird, und sollten eingezogen sein. Besonders relevant ist DEET, der Standardwirkstoff in Insektenschutzmitteln: Er wirkt als Weichmacher und kann Kunststoffe, Uhrengläser sowie lackierte und beschichtete Oberflächen angreifen.
Die Uhr bei bestimmten Gelegenheiten ablegen. Beim Sport, in der Sauna und beim Schlafen. Sport bedeutet Schweiß und Stöße, Sauna bedeutet Hitze für die Dichtungen, und nachts arbeitet das Band nur unnötig.
Das Band richtig eng tragen. Ein zu lockeres Gliederband verschleißt schneller, weil die Glieder ständig gegeneinander arbeiten und dabei Schmutz ins Gelenk ziehen. Grand Seiko nennt als Maß: gerade so viel Luft, dass ein Finger zwischen Band und Handgelenk passt. Das reduziert zugleich die Reibung auf der Haut. Sitzt das Band trotzdem zu locker, lässt es sich um einzelne Glieder kürzen. Wie das Schritt für Schritt geht, zeigt der Ratgeber Uhrenarmband kürzen.
Die Krone gelegentlich bewegen. Das klingt wie das Gegenteil aller Vorsicht, ist aber Herstellerempfehlung: Grand Seiko und Casio raten dazu, Krone und Drücker ab und zu zu betätigen, damit sich im Kronenrohr keine Salz- und Schmutzreste festsetzen. Natürlich an der trockenen Uhr.
Wie oft? Nach Beanspruchung, nicht nach Kalender.
Die Empfehlungen im Netz schwanken zwischen wöchentlich und zweimal im Jahr. Der Grund für diese Spannweite ist einfach: Kein Uhrenhersteller veröffentlicht ein Reinigungsintervall. Jede Zahl, die Sie lesen, ist eine Schätzung.
Sinnvoller ist derselbe Grundsatz, den wir bei der Lederpflege anwenden: nach Beanspruchung handeln, nicht nach Datum.
| Trageprofil | Reflex nach dem Ereignis | Routine |
|---|---|---|
| Büro, Schreibtisch, wenig Schweiß | Nach dem Ablegen kurz abwischen | Wöchentlich 60 Sekunden, gründlich alle 2 bis 3 Monate |
| Werkstatt, Handwerk, Staub | Vor dem Wischen abspülen, nie trocken über Staub | Wöchentlich gründlich, Endgliedspalt und Schließe im Blick |
| Sport, starkes Schwitzen | Direkt danach Schweiß abwischen | Gründlich alle 1 bis 2 Wochen, Uhr beim Sport möglichst ablegen |
| Meer, Schwimmbad | Immer am selben Tag mit Süßwasser spülen: Band, Schließe, Gehäuseboden, Bereich um die Krone | Zusätzlich zur normalen Routine |
| Sommer, Sonnencreme, Insektenschutz | Uhr vor dem Eincremen ablegen, Reste am selben Tag entfernen | Wöchentlich gründlich |
| Selten getragen, im Etui | Vor dem Weglegen abwischen und trocken lagern | 1 bis 2 Grundreinigungen pro Jahr |
Was auf einem Armband tatsächlich lebt.
Eine Uhr wird täglich getragen, selten abgelegt und noch seltener gereinigt. Dass sich darauf etwas ansiedelt, ist keine Überraschung, die Größenordnung schon.
In einer explorativen Untersuchung an zwanzig Armbändern waren 95 Prozent mikrobiell besiedelt. Staphylokokken fanden sich auf 85 Prozent der Bänder, Darmbakterien auf 60 Prozent. Die Stichprobe ist klein, die Zahlen sind daher als Hinweis zu lesen und nicht als belastbare Statistik.
Interessanter als die Belastung ist der Materialvergleich: Metall schnitt mit Abstand am besten ab, Gummi und Kunststoff um Größenordnungen schlechter. Die Autoren führen das auf die glatte, porenfreie Oberfläche zurück, auf der sich schlicht weniger festsetzen kann.
Ein Punkt ist dabei wichtig und wird oft vermischt: Seife reinigt, sie desinfiziert nicht. Für den Alltag reicht Reinigen völlig aus. Wenn Sie desinfizieren wollen, bleibt ein Zielkonflikt: 70-prozentiger Alkohol wirkt mikrobiologisch hervorragend, greift aber Dichtungen, Lackierungen, Leuchtmasse und Acrylglas an. Falls überhaupt, dann punktuell auf blankem Metall mit einem Wattestäbchen, niemals tauchen und nie auf Leder, Textil oder Kunststoffglas.
Wenn die Haut unter der Uhr reagiert.
Rötungen unter der Uhr haben meist eine harmlose Ursache, aber es lohnt sich, zwei Fälle zu unterscheiden, weil die Konsequenz unterschiedlich ist.
Eine Reizung entsteht durch eingeschlossene Feuchtigkeit, Seifenreste im Band oder ein zu eng sitzendes Armband. Sie zeigt sich zeitnah und klingt nach dem Ablegen rasch ab. Meist hilft schon: gründlicher nachspülen, das Band besser trocknen, den Sitz korrigieren.
Eine Kontaktallergie verhält sich anders. Sie tritt verzögert auf, oft erst nach Stunden, und hält deutlich länger an. Der häufigste Auslöser ist Nickel. In der EU gilt für hautnah getragene Erzeugnisse ein Grenzwert für die Nickelfreisetzung, geprüft wird er nach EN 1811 in einer Kunstschweißlösung über eine Woche. Guter Edelstahl der Sorte 316L enthält zwar Nickel, gibt aber sehr wenig davon ab, und genau darauf kommt es an.
Wichtig ist die saubere Trennung: Wenn Beschwerden anhalten, wiederkehren oder sich ausbreiten, gehört das dermatologisch abgeklärt. Ein Reinigungsartikel kann Ihnen sagen, wie Sie eine Reizung vermeiden, aber keine Diagnose ersetzen.
Wann der Uhrmacher übernimmt.
Es gibt vier Befunde, bei denen die eigene Routine endet und ein Fachbetrieb übernimmt.
Beschlag unter dem Glas ist nicht automatisch ein Notfall. Nach plötzlicher Abkühlung ist er laut Casio kein Problem, wenn er zügig aufklart. Bleibt er oder stehen länger Tröpfchen im Gehäuse, ist die Uhr laut Grand Seiko nicht mehr vollständig wasserdicht. Dann sollten Sie rasch zum Uhrmacher. Auch Cartier rät bei Kondensation zum schnellstmöglichen Service. Kein Föhn, kein Heizkörper, keine Reisschüssel. Spürbares Spiel im Band oder eine Schließe, die nicht mehr sauber schließt. Jeder Riss im Glas, auch ein feiner, weil die Dichtheit damit hinfällig ist. Und ein Federsteg, der beim Prüfen nachgibt, denn das ist die häufigste Ursache für eine verlorene Uhr.
Ein Hinweis zur Beauftragung: Reinigung und Aufarbeitung sind zwei verschiedene Leistungen. Reinigung meint das gründliche Säubern von Gehäuse und Band. Aufarbeitung bedeutet, dass Oberflächen neu satiniert und poliert werden, also Material abgetragen wird. Sagen Sie im Gespräch ausdrücklich, was Sie wollen, und lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag geben. Wer nur reinigen lassen wollte und eine aufgearbeitete Uhr zurückbekommt, hat ihr Finish verloren.
Was hier nicht hineingehört, ist die große Werksrevision. Wie oft sie nötig ist, was dabei passiert und was sie kostet, steht im nächsten Kapitel zur Uhr-Revision. Die Außenreinigung, um die es hier ging, hat damit nichts zu tun. Wer ein offenes Zifferblatt hat, sieht Staub übrigens früher als andere, auch das ist kein Grund, selbst ins Werk zu gehen.
Uhr-Revision: wie oft, was passiert, was sie kostet.
Eine Revision ist der große Service am Werk: Die Uhr wird zerlegt, gereinigt, neu geölt und reguliert. Danach werden die Dichtungen erneuert und die Wasserdichtheit erneut geprüft. Anders als die äußere Reinigung aus den Kapiteln davor öffnet eine Revision das Werk selbst. Wie Sie eine Automatik zwischen den Revisionen richtig aufziehen und stellen, zeigt der Ratgeber Automatikuhr aufziehen. Wie oft eine Revision nötig ist, beantworten die Hersteller sehr unterschiedlich. Seiko nennt für die mechanischen Kaliber 4R und 6R etwa 2 bis 3 Jahre, Rolex und Tudor empfehlen etwa 10 Jahre. Maßgeblich ist am Ende immer die Angabe des eigenen Herstellers in Anleitung oder Garantieheft.
Was bei einer Revision passiert
Rolex beschreibt den Ablauf im Detail: Ein Uhrmacher begutachtet die Uhr und erstellt einen Kostenvoranschlag. Dann wird sie komplett zerlegt und jedes Teil im Ultraschallbad gereinigt. Nicht mehr passende Teile werden ersetzt, das Werk wird geschmiert und mindestens 24 Stunden getestet, zuletzt folgt ein Drucktest unter Wasser. Was ein solcher Test über die Wasserdichtheit aussagt, erklärt der Beitrag Wasserdichtigkeit bei Uhren. Omega beschreibt einen ganz ähnlichen Ablauf in acht Schritten. Dazu gehören unter anderem der Austausch verschlissener Bauteile durch Original-Ersatzteile und die Einstellung des Werks samt Prüfung seiner Parameter.
Hersteller unterscheiden dabei oft zwischen einer kleinen und einer großen Revision. Bei Junghans kommt der kleine Unterhaltsdienst ohne Zerlegen des Werks aus, der große umfasst Zerlegen, Reinigen und Ölen, dazu bei beiden auch das Entmagnetisieren. Bruno Söhnle trennt ähnlich zwischen dem kleinen Service M1 und dem großen Service M2, ebenfalls inklusive Entmagnetisieren. Tissot geht noch weiter und unterscheidet drei Stufen, wobei der Kleine Service ganz ohne Öffnen des Gehäuses auskommt. Der Teilservice reinigt Gehäuse und Band gründlich, erneuert Dichtungen und bei Quarzuhren die Batterie, ohne das Werk zu zerlegen. Erst die Komplettwartung überholt oder ersetzt das Uhrwerk selbst und reguliert bei mechanischen Kalibern zusätzlich den Gang.
Viele Hersteller ersetzen die Dichtungen bei der Revision grundsätzlich, statt sie nur zu prüfen. Ob dabei auch das Gehäuse poliert wird, ist von Marke zu Marke verschieden, die Übersicht dazu steht im Kapitel Kratzer entfernen.
Wie oft: was die Hersteller empfehlen
Wie unterschiedlich die Empfehlungen ausfallen, zeigt die folgende Übersicht mit dem jeweiligen Geltungsbereich.
| Hersteller | Empfehlung | Gilt für |
|---|---|---|
| Seiko | Etwa alle 2 bis 3 Jahre | Mechanische Kaliber 4R und 6R |
| Citizen | Alle 2 bis 3 Jahre | Mechanisches Kaliber 9051 |
| Grand Seiko | Etwa alle 3 bis 4 Jahre | Mechanisch und Quarz 9F |
| Glashütte Original | Alle 3 bis 5 Jahre | Alle Uhren |
| Oris | Alle 3 bis 5 Jahre, Kaliber 400 alle 10 Jahre | Mechanische Uhren |
| NOMOS | Alle 3 bis 5 Jahre, an anderer Stelle „in der Regel alle fünf Jahre“ | Mechanische Uhren |
| Tissot, Mühle-Glashütte, Stowa | Alle 4 bis 5 Jahre | Bei Tissot ohne Werkart-Unterscheidung, Mühle und Stowa nur mechanisch |
| Junghans | Alle 4 bis 6 Jahre | Alle Uhren |
| Breitling | Komplettservice alle 4 bis 6 Jahre, Wartungsservice alle 2 Jahre | Mechanisch und Quarz |
| A. Lange & Söhne | Alle 5 bis 7 Jahre | Mechanische Uhren |
| Omega | Alle 5 bis 8 Jahre | Ohne Unterscheidung nach Werkart |
| Longines | Alle 6 bis 8 Jahre laut Kundendienst-Seite, im Markenjournal etwa alle 5 Jahre | Mechanische Uhren |
| Bruno Söhnle | Nach 6 bis 10 Jahren | Auch für Quarz |
| Patek Philippe | Alle 8 bis 10 Jahre | Quarz und Mechanik |
| Rolex, Tudor | Etwa alle 10 Jahre | Mechanische Uhren |
| Zentralverband für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik | Etwa alle 5 Jahre | Mechanische Uhren |
| IWC, Hamilton | Kein festes Intervall; IWC rät, erst bei nachlassender Leistung oder Genauigkeit zum Service zu gehen | Alle Modelle |
Quellen: Anleitungen, FAQ und Preislisten der Hersteller, Stand September 2026.
Wie stark die Empfehlungen schwanken, hängt auch an Nutzung und Umgebung, betonen sowohl Omega als auch Junghans. Glashütte Original nennt offen die Gründe für die Spannweite: klimatische Bedingungen und die eigene Pflege der Uhr. A. Lange & Söhne schmiert mit harzfreien synthetischen Ölen und Fetten und hält trotzdem fest: Jede mechanische Uhr unterliegt einem Verschleiß.
Anzeichen: wann die Uhr früher zum Uhrmacher sollte
Drei Anzeichen sprechen für einen früheren Termin, auch wenn das reguläre Intervall noch nicht erreicht ist. Geht die Uhr deutlich vor oder nach, oder bleibt sie stehen, kann das laut Seiko und Cartier an gealtertem Öl im Werk liegen. Welche Ursachen außerdem infrage kommen, von der Regulierung bis zum Magnetismus, ordnet der Beitrag Uhr geht vor oder nach ein. Seiko nennt in der eigenen Störungstabelle „länger als 3 Jahre nicht gewartet“ ausdrücklich als mögliche Ursache. Eine anhaltende Trübung unter dem Glas bedeutet laut Seiko, dass durch eine verschlissene Dichtung Wasser eingedrungen ist, anders als ein Beschlag, der zügig aufklart (Kapitel XVI). Einen Wert kann nur der Uhrmacher messen: Die Amplitude, also der Schwung der Unruh, sinkt laut dem Zeitwaagen-Hersteller Witschi mit zunehmend alterndem Öl.
Auch Quarzuhren brauchen Service
Revision ist kein reines Mechanik-Thema. Seiko empfiehlt für den Solar-Quarz-Chronographen V192 und Grand Seiko für das Kaliber 9F beide etwa alle 3 bis 4 Jahre eine Überholung. Citizen empfiehlt für das Eco-Drive-Kaliber E16x eine Inspektion alle 2 bis 3 Jahre. Casio empfiehlt, die Dichtungen etwa im selben Rhythmus zu tauschen und die Wasserresistenz bei jedem Batteriewechsel zu prüfen. Patek Philippe und Bruno Söhnle gehen noch weiter und nennen für Quarzuhren dieselben Intervalle wie für mechanische Modelle.
Eine leere Batterie sollten Sie zügig tauschen lassen. Sowohl Seiko als auch Omega warnen, dass eine ausgelaufene Batterie die Uhr beschädigen kann. Wie lange eine Batterie hält, ist ohnehin markenabhängig: Casio nennt für manche Module etwa 5, für andere etwa 7 Jahre, Patek Philippe rechnet mit 2 bis 3 Jahren. Wie der Wechsel abläuft und worauf Sie achten sollten, steht im Beitrag Uhrenbatterie wechseln.
Was eine Revision kostet
Für ein mechanisches Dreizeigerwerk reichen die Herstellerpreise in der Übersicht von 220 € bei Tissot bis ab 1.100 € bei A. Lange & Söhne (Preisliste Stand Mai 2022).
| Anbieter | Mechanik, Dreizeiger | Quarz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Tissot | 220 € | 130 € | Komplettwartung |
| Hamilton | 240 € | 170 € | Komplettwartung |
| Junghans | 320 € (Automatik) | 200 € | Großer Unterhaltsdienst, UVP |
| Stowa | 329 € | keine Angabe | Zzgl. Versand |
| Sinn | 340 € | keine Angabe | 395 € mit Ar-Trockenhaltetechnik |
| Bruno Söhnle | 380 € | 160 bis 310 € | Großer Service, UVP |
| Longines | 380 € | 255 € | Vollständige Wartung |
| NOMOS | 250 bis 480 € | keine Angabe | Große Revision je Kaliber, zzgl. Porto |
| Breitling | 620 € | 495 € | Komplettservice, Höchstpreis, mit Politur |
| Omega | 800 € | 550 € | UVP, Edelstahl ohne Chronograph, mit Politur |
| A. Lange & Söhne | ab 1.100 € | keine Angabe | Preisliste Stand Mai 2022 |
| Patek Philippe | 1.000 CHF (Automatik) | 600 CHF | Höchstpreise ohne Steuern |
Preise inkl. MwSt. laut Preislisten der Anbieter, abgerufen im September 2026. Die Listen von Junghans gelten ab Juni 2024, von Bruno Söhnle ab Mai 2025; Patek in Schweizer Franken ohne Steuern.
Freie Werkstätten nennen niedrigere Einstiegspreise, rechnen Ersatzteile aber meist extra: Die Uhren Klinik verlangt ab 120 € für Handaufzugswerke und ab 160 € für Automatikwerke. Der Uhrmacher Kevin Gries berechnet 199 € für eine Automatik-Revision plus ein Ersatzteilpaket ab 99 € (Preisliste gültig ab August 2026), dazu etwa 7 € je Dichtung und 20 € für eine Krone. Die Uhrenmacherei in Berlin nennt Preise ab etwa 180 €, Tourby ab 250 € ohne Ersatzteile.
Rolex, Oris, Mühle-Glashütte und Glashütte Original veröffentlichen keine Preise und verweisen auf den individuellen Kostenvoranschlag. Glashütte Original begründet das mit Zustand und Alter der jeweiligen Uhr sowie dem Umfang der gewünschten Leistungen. Dazu können Nebenkosten kommen: Sinn berechnet für den Kostenvoranschlag 20 €, die bei einem Auftrag angerechnet werden. Lehnen Sie den Kostenvoranschlag ab, verlangt Junghans 30 € plus 10,12 € Rückversand, Breitling pauschal 30 €. Eine reine Wasserdichtheitsprüfung kostet beim Lübecker Uhrenservice je nach Prüfdruck 6 bis 15 € (Stand Juni 2024).
Dauer und Garantie
Rechnen Sie mit Wochen, nicht mit Tagen. Rolex und Tudor nennen mindestens vier bis sechs Wochen, Jaeger-LeCoultre vier bis sechs Wochen. IWC braucht etwa vier Wochen, Mühle-Glashütte etwa acht. Bei Patek Philippe dauert der Service sechs bis zwölf Wochen, bei Sinn je nach Aufwand vier bis achtzehn Wochen.
Auf die fertige Arbeit gibt es meist 24 Monate Garantie: bei Rolex, Omega, Tissot, Longines, Junghans, IWC, A. Lange & Söhne, Patek Philippe, Mühle-Glashütte und Jaeger-LeCoultre. Oris gewährt ein Jahr. NOMOS gibt zwei Jahre auf die Leistung und ein Jahr auf die Wasserdichtheit.
Zwei Uhren, zwei Reinigungslogiken.
Warum es keine einheitliche Routine für alle Uhren gibt, zeigt der Unterschied zwischen unseren beiden Linien. Die Nova trägt Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelung und ein italienisches Lederband: Beim Reinigen bleibt das Leder trocken, und in Glasnähe kommt nichts Polierendes zum Einsatz. Die Pulsar trägt ein Edelstahlband, das sich abspülen lässt, dafür aber gehärtetes Mineralglas, das mit Mohs-Härte 5 weicher ist als Quarzstaub. Genau deshalb ist bei ihr die Regel erst spülen, dann wischen praktisch relevant: Sie entscheidet zwischen Klarsicht und Schleier.
Alle Preise inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten. Versandkostenfrei ab 29 €.
Beide Linien in der Uhren-Übersicht.