Journal · Uhren

Uhr reinigen und polieren: die Routine, die Kratzer vermeidet.

Die meisten Kratzer an einer Uhr entstehen nicht im Alltag, sondern beim Saubermachen. Drei Materialgesetze erklären, warum das so ist. Nebenbei lösen sie die Widersprüche auf, die in vielen Ratgebern stehen.

Hörner Nova Aurora mit braunem Lederband, abgelegt auf einer dunklen Lederunterlage
Kurz zusammengefasst

Für die wöchentliche Routine reichen 60 Sekunden, ein Mikrofasertuch und lauwarmes Wasser. Entscheidend ist die Reihenfolge: erst anfeuchten oder abspülen, dann wischen. Quarzstaub erreicht Mohs-Härte 7 und ist damit härter als jeder Uhrenstahl bei etwa 5,5. Deshalb ist ein trockenes Tuch über einer staubigen Uhr die häufigste Kratzerquelle überhaupt. Politurpaste gehört ausschließlich auf hochglanzpolierte Flächen, auf satinierten Partien zerstört sie das Finish dauerhaft. Politur trägt Metall ab: Wer beim Service keine Politur will, sagt das beim Auftrag. Hersteller empfehlen je nach Marke eine Revision alle 2 bis 10 Jahre.

7
Mohs-Härte
Quarzstaub, härter als jeder Uhrenstahl
2 bis 10
Jahre
zwischen zwei Revisionen, je nach Hersteller
300 m/s
Mikrojet
so schnell trifft eine Kavitationsblase im Ultraschall
Kapitel I · Der Ablauf

Die 60-Sekunden-Routine für die Woche.

Eine Minute pro Woche reicht, um eine Uhr sauber zu halten. Fünf Schritte genügen, entscheidend ist ihre Reihenfolge.

Erstens die Krone prüfen: Sie muss vollständig in Ruheposition sitzen, bei verschraubten Kronen festgeschraubt. Zweitens die Uhr anfeuchten, entweder unter einem sanften Wasserstrahl oder mit einem feuchten Tuch. Nie trocken loswischen, dazu gleich mehr. Drittens mit dem angefeuchteten Mikrofasertuch über Gehäuse und Bandoberseite, auf satinierten Flächen in Strichrichtung. Viertens die Zwischenräume: Schließeninnenseite, Gliederspalte, der schmale Bereich zwischen Endglied und Gehäuse.

Fünftens, und das ist der Schritt, der die Routine von einer Putzaufgabe unterscheidet: der Blick. Sitzen die Federstege fest? Sind die Bandschrauben noch angezogen? Klappt der Schließenbügel sauber ein? Ist der Glasrand frei von Fasern, und beschlägt nichts von innen?

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Wer wöchentlich eine Minute reinigt, betreibt nebenbei das billigste Frühwarnsystem gegen den Verlust der Uhr.
Aus der Praxis · Andre Hörner

Genau dort liegt der eigentliche Wert. Ein ermüdeter Federsteg kündigt sich an, bevor er bricht. Eine lockere Schließe merkt man, bevor die Uhr vom Handgelenk fällt. Beides sieht man nur, wenn man die Uhr regelmäßig in die Hand nimmt und hinschaut.

Kapitel II · Die Ausrüstung

Womit Sie reinigen, und womit nicht.

Die Ausrüstung für alles, was in diesem Artikel steht, kostet weniger als zehn Euro und passt in eine Schublade.

Was Sie brauchen: zwei Mikrofasertücher, eines zum Reinigen und eines zum Trocknen. Eine weiche Zahnbürste, gern eine ausgediente. Ein paar Holzzahnstocher. Eine kleine Schale. Zusatzfreie Seife. Das ist die vollständige Liste.

Was nicht ins Haus kommt: Scheuermilch, Chlorbleiche, Edelstahlreiniger, Glasreiniger, Zahnpasta, Backpulver, Poliertücher mit eingearbeiteter Paste, harte Bürsten, Metallwerkzeug in Glasnähe. Und Papiertaschentücher, deren Fasern gröber sind, als die meisten vermuten.

Bei der Seife ist nicht die Seife das Problem, sondern was ihr beigemischt ist. Handseifen und Spülmittel enthalten rückfettende Pflegestoffe. Die hinterlassen genau die Filme in Gliederzwischenräumen und Schließe, die Sie eigentlich entfernen wollen. Die Herstellervorgaben sind hier bemerkenswert einheitlich: mild, neutral, zusatzfrei, und gründlich klar nachspülen.

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Das Tuch selbst braucht Pflege

Ein Mikrofasertuch nimmt Schmutz auf und gibt ihn nicht von allein wieder ab. Waschen Sie es regelmäßig, ohne Weichspüler, und bewahren Sie es geschlossen auf. Ein Tuch, das offen auf der Kommode lag, ist kein sauberes Tuch mehr.

Kapitel III · Das Härtegesetz

Warum das Tuch das eigentliche Risiko ist.

Ritzen kann nur, was härter ist. Das klingt banal, hat aber eine Konsequenz, die den meisten Reinigungsratgebern entgeht.

Quarz ist der Hauptbestandteil von Staub, Sand und Betonabrieb und liegt auf der Mohsschen Härteskala bei 7. Edelstahl liegt bei etwa 5,5, Mineralglas bei 5, Acrylglas bei 3 bis 4. Saphirglas liegt mit 9 darüber. Das heißt: Der Staub, der auf Ihrer Uhr liegt, ist härter als das Gehäuse und bei den meisten Uhren auch härter als das Glas.

Ein trockenes Tuch schiebt diese Partikel über die Oberfläche. Es reinigt nicht, es schleift. Der gefährlichste Reiniger ist also nicht das falsche Mittel, sondern das Tuch, in dem noch Sand steckt.

Daraus folgt die Regel, die diesen ganzen Artikel trägt: erst spülen oder anfeuchten, dann wischen. Das Wasser schwemmt die harten Partikel weg, bevor das Tuch sie verteilen kann. Und beim Wischen die Tuchstelle wechseln, damit aufgenommener Schmutz nicht zurück in die Oberfläche gerieben wird.

Holz liegt bei Mohs 2 bis 3, Nylonborsten darunter. Beide können Edelstahl nicht ritzen. Deshalb sind ausgerechnet Zahnstocher und weiche Zahnbürste die sichersten Werkzeuge an einer Uhr, während das teure Poliertuch das riskanteste ist.

Eine Besonderheit gilt für entspiegelte Gläser. Welche Glasarten es gibt und wie sie sich unterscheiden, haben wir gesondert beschrieben. Für die Reinigung zählt ein Punkt: Die Entspiegelungsschicht ist weicher als das Glas darunter und damit die empfindlichste Fläche der gesamten Uhr, Oris bestätigt das ausdrücklich. Was wie ein Kratzer im Saphirglas aussieht, ist bei entspiegelten Uhren meist eine abgeriebene Stelle in dieser Schicht. Unsere Nova trägt eine beidseitige Entspiegelung, eine dieser Schichten sitzt also außen. Für die Praxis heißt das schlicht: sauberes Tuch, kein Papier, kein Glasreiniger, und nichts Polierendes in Glasnähe.

Kapitel IV · Der Hotspot

Metallarmband reinigen: Schließe, Endglied, Spalt.

Wenn eine Uhr unangenehm riecht oder das Band dunkel anläuft, liegt es fast immer an drei Stellen, die bei der normalen Reinigung übersprungen werden: der Faltschließe, dem Spalt am Endglied und den Gelenken zwischen den Gliedern.

Warum gerade enge Spalten rosten

Seiko beschreibt in einem Service-Bulletin zur Armbandpflege einen Zusammenhang, der zunächst widersprüchlich klingt: Gerade hochwertige Massivbänder mit eng anliegenden Gliedern sammeln Schweiß in ihren Spalten und halten ihn dort fest. In diesem schmalen Raum fehlt Sauerstoff, und die Schutzschicht des Edelstahls kann sich schlechter erneuern. Warum das so ist, steht im Kapitel zum richtigen Trocknen. Seiko rät deshalb, solche Bänder regelmäßig zu prüfen.

Das ist mehr als eine Frage der Optik. Grand Seiko warnt, dass fortschreitender Rost die Stifte zwischen den Gliedern heraustreten lassen kann, bis sich das Band vom Gehäuse löst oder sich die Schließe nicht mehr öffnen lässt. Casio warnt ebenfalls vor herausspringenden Stiften und ergänzt scharfe Stellen am Band. Unsere Pulsar trägt ein solches Band aus massiven Gliedern, verbunden mit Stiften. Gerade bei dieser Bauweise zahlt sich regelmäßige Spaltpflege am meisten aus.

Schließe, Endglied und Gelenke gezielt reinigen

Die Faltschließe liegt dauerhaft auf der Haut, hat Bügel, Scharniere und Innenflächen, und sie wird am seltensten gereinigt. Klappen Sie sie vollständig auf und bürsten Sie die Innenseiten aus. Verschmutzung ist zugleich eine der häufigsten Ursachen für schwergängige Schließen.

Der Endgliedspalt zwischen Band und Gehäuse sammelt Hautschuppen, Hautfett und Textilfasern. Mit der Zahnbürste allein kommt man nicht hinein, mit einem Holzzahnstocher schon. Für die Rückseite des Spalts, an die auch der Zahnstocher schlecht reicht, empfehlen Uhrenträger in Foren einen einfachen Trick: Zahnseide unter dem Endglied durchfädeln und wie beim Schuheputzen hin und her ziehen. Das Garn ist weich genug für jede Oberfläche und holt heraus, was sich an der Innenseite festgesetzt hat.

Die Gliedergelenke sind der Grund, warum Bandreinigung kein kosmetisches Thema ist. Eingeschlossener Schmutz wirkt im Gelenkspiel wie eine Schleifpaste: Die Stifte werden dünner, die Bohrungen weiten sich. Das ist der Mechanismus hinter dem, was man landläufig Ausleiern nennt. Regelmäßiges Ausspülen ist damit Verschleißschutz.

Nach dem Tragen zählt, wo die Uhr die Nacht verbringt. Citizen empfiehlt, eine verschwitzte Uhr gut abzuwischen und an einem luftigen Ort abzulegen, statt sie direkt in eine geschlossene Box zu legen. In der warmen, feuchten Luft einer geschlossenen Schatulle haben Schweißreste im Spalt ideale Bedingungen, und von dort kommt meist auch der Geruch.

Die Farbe verrät die Ursache

Casio weist außerdem darauf hin, dass Schweiß und Rost in den Spalten Hemdmanschetten verfärben und die Haut reizen können. Wer ein Band hat, das abfärbt, löst das in aller Regel mit gründlicher Reinigung. Die Farbe der Spur hilft bei der Zuordnung. Ein gelblicher bis goldener Rand an der Manschette stammt nach Angaben von Seiko und Grand Seiko aus Rost und Schweiß in den Gliederspalten, auch Citizen warnt vor Flecken an der Manschette. Hier hilft gründliches Reinigen und Trocknen der Zwischenräume. Ein schwarzgrauer Abrieb auf Haut oder Manschette hat oft eine andere Quelle: Uhrenträger berichten, dass Rückstände eines Poliertuchs zwischen den Gliedern sitzen bleiben und beim Tragen abfärben. Ein weiterer Grund, das Poliertuch vom Band fernzuhalten, mehr dazu im Kapitel zur Politur.

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In zehn Sekunden prüfen, ob Ihr Band ausleiert

Halten Sie die Uhr waagerecht am Gehäuse, das Zifferblatt nach oben, und lassen Sie das Band frei abstehen, ohne es mit den Fingern zu stützen. Ein intaktes Band aus massiven Gliedern ragt fast gerade heraus. Hängt es deutlich durch, haben sich die Gelenke geweitet. Die zweite Probe: Legen Sie das Band flach hin und schauen Sie auf die Abstände zwischen den Gliedern. Sind sie ungleichmäßig, ist das Band gelängt. Bei Bändern aus gefalteten, innen hohlen Gliedern gehört etwas Durchhängen zur Bauart. Dort zählt der Vergleich mit dem Neuzustand. Welche Bauart Sie tragen, zeigt ein Blick auf die Kante eines Glieds: Eine sichtbare Fuge verrät gefaltetes Blech, eine glatte, durchgehende Kante das massive Glied, das auch spürbar schwerer in der Hand liegt.

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Der Folientrick von Seiko und Casio

Wenn Sie das Band waschen, das Gehäuse aber trocken halten wollen, wickeln Sie den Uhrenkopf in Frischhaltefolie. Beide Hersteller empfehlen das ausdrücklich, nachzulesen etwa in den Pflegehinweisen von Casio. So können Sie das Band gründlich bearbeiten, ohne die Krone und den Gehäuseboden ins Wasser zu bringen.

Kapitel V · Die Voraussetzung

Nassreinigung: wann Wasser erlaubt ist.

Wasser ist das wirksamste Reinigungsmittel für eine Uhr, aber nur unter Bedingungen. Die wichtigste ist eine intakte Dichtheit, und die ist eine Eigenschaft des aktuellen Zustands, nicht der Angabe auf dem Gehäuseboden.

Ohne gesicherte Dichtheit bleibt es beim leicht angefeuchteten Tuch. Was die Angaben auf dem Boden bedeuten, warum 5 bar nicht fünfzig Meter heißt und wie Dichtungen altern, steht ausführlich in unserem Beitrag zur Wasserdichtigkeit bei Uhren.

Für die Reinigung selbst gelten vier Regeln. Die Krone zuerst: vollständig geschlossen, bei verschraubten Kronen festgezogen. Rolex weist in den eigenen Pflegehinweisen ausdrücklich darauf hin, vor jeder Reinigung den festen Sitz zu prüfen. Schale statt Wasserhahn: Grand Seiko empfiehlt, Wasser in ein Gefäß zu geben und die Uhr einzutauchen, statt sie unter den laufenden Hahn zu halten. Breitling erlaubt allenfalls einen dünnen Strahl. Dynamischer Strahldruck ist ein anderer Lastfall als der statische Prüfdruck. Lauwarm, nie heiß: Temperaturwechsel belasten die Dichtungen stärker als der Druck. Und niemals Krone oder Drücker unter Wasser oder an der nassen Uhr betätigen.

Der Materialunterschied entscheidet mit. Unsere Nova trägt ein italienisches Lederband, dort wird nur das Gehäuse feucht abgewischt und das Leder bleibt trocken. Wie Lederbänder gepflegt und gewechselt werden, steht im Beitrag zum Uhrenarmband aus Leder. Unsere Pulsar dagegen trägt ein Edelstahlband, und das darf unter den genannten Bedingungen mitsamt Schließe abgespült werden. Derselbe Hersteller, zwei Uhren, zwei verschiedene Vorgehensweisen: Das Bandmaterial entscheidet, nicht die Marke.

Kapitel VI · Der übersehene Schritt

Richtig trocknen, das Zehn-Minuten-Protokoll.

Abtrocknen heißt für die meisten: die Oberfläche abwischen. Genau das ist zu wenig, und der Grund dafür ist Korrosionschemie.

Edelstahl ist rostfrei, weil ihn eine hauchdünne, selbstheilende Chromoxidschicht schützt. Chlorid-Ionen durchbrechen diese Schicht punktuell. In der entstehenden Vertiefung fehlt Sauerstoff, der Säuregrad steigt, Chloride reichern sich weiter an. Das Ergebnis ist Lochfraß, und er beginnt bevorzugt dort, wo Flüssigkeit stehen bleibt: zwischen den Gliedern, unter der Schließe, in den Federstegbohrungen, im Spalt zwischen Gehäuse und Boden.

Chlorid kommt nicht nur aus dem Meer. Menschlicher Schweiß enthält es dauerhaft, und getrocknetes Salz bleibt als Depot liegen, das beim nächsten Nasswerden wieder aktiv wird. Deshalb ist Abtrocknen wichtiger als Glänzen.

Das Protokoll: Zwischenräume gezielt auswischen, nicht nur die Flächen. Anschließend etwa zehn Minuten an der Luft nachtrocknen lassen, am besten mit der Schließe geöffnet. Kein Föhn, kein Heizkörper, keine Sonne auf der Fensterbank, denn Wärme belastet die Dichtungen genau in dem Moment, in dem sie ohnehin gefordert sind.

Nach Kontakt mit Salzwasser gilt das verschärft: noch am selben Tag mit Süßwasser spülen, Band, Schließe, Gehäuseboden und den Bereich um die Krone. Abspülen nach dem Meer ist Korrosionsschutz, nicht Kosmetik.

Kapitel VII · Der teure Irrtum

Uhr polieren: was Politur wirklich bewirkt.

Politur klingt nach Pflege. Tatsächlich ist sie Materialabtrag: Der Verband Euro Inox beschreibt Schleifen und Polieren als spanende Verfahren, die eine Metallschicht von der Oberfläche abtragen. An einer Uhr ist das eine folgenreiche Entscheidung.

Eine hochglanzpolierte Fase neben einer satinierten Fläche ist kein Zufall, sondern ein Arbeitsschritt, den jemand bewusst investiert hat. Der scharfe Übergang zwischen beiden ist genau das Detail, an dem sich gute Verarbeitung ablesen lässt. Wir haben das im Beitrag Woran man eine gute Uhr erkennt als Qualitätsmerkmal beschrieben.

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Eine Politurpaste ebnet in wenigen Zügen das Detail ein, für das in der Fertigung ein eigener Arbeitsgang nötig war.
Aus der Praxis · Andre Hörner

Was dabei passiert: Die Paste ebnet die feine Riefenstruktur der Satinfläche ein. Die matte Fläche wird glänzend, die Trennlinie verschwimmt, die Kante rundet ab. Rückgängig machen lässt sich das nur durch Nachsatinieren in exakt der ursprünglichen Schleifrichtung, und das ist ein Werkstattschritt, keine Pflegemaßnahme.

Bei beschichteten Gehäusen ist es endgültig. Eine PVD- oder DLC-Schicht ist laut dem Beschichter Oerlikon Balzers 0,5 bis 4 Mikrometer dünn. Polieren trägt sie ab und legt das Basismaterial frei, die Schadstelle wird also größer statt kleiner. Oris formuliert das für DLC unmissverständlich: Eine Aufarbeitung durch Polieren oder Neubeschichten ist nicht möglich, die beschädigten Teile müssen ersetzt werden. Auch Breitling poliert Modelle mit schwarzer DLC-Beschichtung und mit Breitlight nicht. Sinn arbeitet TEGIMENT-Oberflächen und geschwärzte Oberflächen ebenfalls nicht auf. TEGIMENT ist laut Sinn keine Beschichtung, sondern eine Härtung des Materials an der Oberfläche.

Der zweite Schaden ist einer, den man erst beim Verkauf bemerkt, vor allem bei Vintage- und Sammleruhren. Ein Spezialist des Auktionshauses Sotheby's beschreibt, dass sich eine Politur meist an den Bandanstößen verrät, weil sich deren Proportionen kaum polieren lassen, ohne sie zu verändern. Laut Phillips bevorzugen erfahrene Sammler unpolierte Modelle, denn Polieren gelingt nur durch Metallabtrag und kann die Grundstruktur verändern. Ganz pauschal gilt das nicht: Sotheby's sieht Restaurierung zunehmend akzeptiert, solange die charakteristischen Merkmale der Uhr erhalten bleiben.

Kapitel VIII · Die Entscheidungshilfe

Poliert, satiniert, beschichtet: die Matrix.

Bevor Sie etwas auf eine Fläche geben, klären Sie zuerst, welche Oberfläche vor Ihnen liegt. Der Test dauert zehn Sekunden: Halten Sie die Uhr schräg ins Licht. Sehen Sie feine, parallele Linien in einer Richtung, ist die Fläche satiniert. Spiegelt sie, ist sie poliert. Viele Uhren tragen beides nebeneinander.

Die satinierte Fläche ist dabei nichts anderes als gerichtet verkratztes Metall, erzeugt mit Schleifband und Vlies in einer Richtung. Der Verband Euro Inox rät, beim Angleichen einer solchen Fläche immer in der ursprünglichen Schliffrichtung zu arbeiten.

Welche Fläche verträgt was

Merkmal Poliert Satiniert PVD / vergoldet Glas mit Entspiegelung
Woran Sie sie erkennen Spiegelt, meist an Fasen und KantenMatt, mit feinen Linien in einer RichtungFarbig oder schwarz, gleichmäßig gedecktLeichter Farbschimmer bei schrägem Licht
Trockenes Mikrofasertuch JaJa, in StrichrichtungJa, ohne DruckJa, aber nur mit sauberem Tuch
Lauwarmes Seifenwasser, weiche Bürste JaJa, in StrichrichtungJa, mildJa, danach klar nachspülen
Politurpaste, Cape-Cod-Tuch Möglich, aber MaterialabtragNein, ebnet die Riefen ein; Cape Cod rät selbst abNein, trägt die Schicht abNein, greift die Entspiegelung an
Wenn doch geschehen Meist unauffällig, Kanten verrunden mit der ZeitNachsatinieren im Fachbetrieb, in OriginalrichtungDLC laut Oris nicht aufarbeitbar, Teil wird ersetzt; galvanische Schichten teils neu beschichtbarSchicht entfernen oder Glas tauschen

Ein Beispiel aus dem eigenen Sortiment, weil es die Regel greifbar macht: Bei unserer Nova Eclipse ist die Lünette schwarz beschichtet, bei den übrigen vier Nova-Modellen besteht sie aus blankem Stahl. Dieselbe Baureihe, zwei verschiedene Antworten auf die Frage, was auf die Fläche darf. Welche Aufgaben eine Lünette überhaupt übernimmt, steht in einem eigenen Beitrag. Beschichtet heißt: sanft reinigen, niemals polieren.

Kapitel IX · Erwartungsmanagement

Kratzer entfernen: selbst polieren oder polieren lassen.

Der erste Schritt ist eine ehrliche Diagnose, und dafür brauchen Sie kein Werkzeug. Als Faustregel dient der Fingernageltest: Fahren Sie mit dem Nagel quer über den Kratzer. Bleibt er hängen, ist die Riefe in der Regel zu tief für ein Poliertuch. Alles Weitere ist dann eine Frage für den Fachbetrieb.

Selbst behandeln sollten Sie nur feine Mikrokratzer auf hochglanzpolierten Partien. Alles andere hat klare Ausschlusskriterien: satinierte Flächen nein, beschichtete Gehäuse nein, vergoldete Teile nein, entspiegeltes Glas nein. Was bei Kratzern im Glas selbst noch geht, hängt ganz vom Glasmaterial ab.

Für Titan hält die Materialforschung ein interessantes Detail bereit, das gern missverstanden wird. Titan bildet seine schützende Oxidschicht nach einer Verletzung innerhalb von Millisekunden neu. Diese Repassivierung stellt allerdings nur den Korrosionsschutz wieder her, nicht die Geometrie. Im selben Versuch blieben Kratztiefen von sieben bis neun Mikrometern messbar. Der Kratzer verschwindet also nicht, er rostet nur nicht. Die Messwerte stammen aus einer Laborstudie unter hoher mechanischer Last und lassen sich nicht unmittelbar auf den Alltag übertragen.

Selbst polieren: nur auf Hochglanz

Der Hersteller von Cape-Cod-Poliertüchern beschreibt die Anwendung genau: sanft reiben, bei hartnäckigen Stellen etwas fester. Die Politur nehmen Sie noch feucht mit einem separaten Tuch ab, nicht abwaschen. Bei Edelstahl empfiehlt er, stumpfe oder fleckige Stellen in eine Richtung zu reiben. Für gebürstete oder satinierte Flächen rät er von den Tüchern ausdrücklich ab. Bei plattierten Teilen mahnt er zu besonderer Vorsicht, weil sich die dünne Schicht sonst vollständig abtragen lässt. Er empfiehlt, zuerst an einer unauffälligen Stelle zu testen.

Mattierte Gehäuseteile kleben Werkstätten vor dem Polieren millimetergenau ab, wie es der Juwelier Christ beschreibt. Der Verband Euro Inox rät im Zweifel, mit dem feineren Schleifmittel zu beginnen: Zu grobe Körnung kann die Oberfläche irreversibel schädigen. Ausnahmslos ungeeignet für Edelstahl sind laut der Edelstahl-Informationsstelle ISER Scheuerpulver, schwarze Stahlschwämme und Silberputzmittel. Christ rät zudem von Heimwerker-Experimenten mit Dremel und Schleifpaste ab, weil sich eine misslungene Politur meist nur aufwendig korrigieren lässt.

Uhr polieren lassen: was Hersteller und Werkstätten verlangen

Ob die Politur zum Service gehört, entscheidet die Marke: Omega, Oris, Breitling, NOMOS, Longines und Grand Seiko polieren im Komplettservice standardmäßig mit, andere nur auf Wunsch oder gegen Aufpreis. Die Übersicht vergleicht dreizehn Hersteller.

Politur beim Hersteller-Service
HerstellerPolitur im ServicePreis laut Liste
OmegaFester Schritt im ServiceIm Servicepreis enthalten
OrisIn der RevisionKeine Preisliste
BreitlingIm Komplettservice; separater Polierdienst nur mit WartungsservicePolierdienst 140 €, Höchstpreis
NOMOSIn der großen RevisionGehäuseaufarbeitung 75 bis 110 €
Grand Seiko„Complete Service“ mit „Light Polish“Keine Preisangabe
LonginesIn der vollständigen WartungPolieren 110 €, nur mit Teilservice
RolexLaut Ablaufseite auf Wunsch, poliert oder satiniert nach Originalfinish; laut FAQ Teil der WartungKeine Preise veröffentlicht
TudorOptionalKeine Angabe
Patek PhilippeNur auf KundenwunschGehäuse oder Band 350 CHF, beides 500 CHF, Höchstpreise
IWCOptionale Leistung, ablehnbarServicepreisrechner
TAG HeuerExtraPlus 95 €
SinnZusatzleistungAb 200 € zusätzlich zur Revision, ohne Revision 298 bis 584 €
JunghansNur zusammen mit UnterhaltsdienstTeilepreis auf Anfrage

Preise laut Preislisten der Hersteller, abgerufen im September 2026, TAG Heuer laut Liste vom März 2026; Patek in Schweizer Franken ohne Steuern.

Wer das Originalfinish behalten will, muss das deshalb beim Auftrag ausdrücklich sagen. Bei IWC und Tudor lässt sich die Politur abwählen, bei King Seiko ist sie eine Option, die Sie aktiv dazu buchen. Cartier empfiehlt, Uhren aus Weißgold höchstens zweimal und aus Gelbgold höchstens dreimal im gesamten Leben der Uhr polieren zu lassen. Der Grund: Jedes Mal wird Metall abgetragen.

Freie Werkstätten nennen eigene Preise. Die Uhrmacherwerkstatt Berlin gibt als Richtpreise (Stand März 2026) an: nur Lünette oder Schließe ab 25 €, nur Band oder Gehäuse ab 75 €, beides zusammen in Edelstahl ab 150 €. MeinUhrmacher24 berechnet Kratzerentfernung am Gehäuse ab 105 € und am Metallband ab 95 € (Stand Mai 2023). Bei ChronoRestore liegen die meisten Band- und Gehäuseaufarbeitungen um 300 € (Stand August 2026).

Auch die Politur stößt an Grenzen. Tiefe Kratzer lassen sich oft nicht vollständig wegpolieren, das räumen Grand Seiko, King Seiko und NOMOS in den eigenen Servicehinweisen ein. IWC füllt tiefe Spuren stattdessen per Laserschweißen auf. Sinn nennt für eine Gehäuseaufarbeitung mit Materialauftrag ab 250 € (Preisliste gültig ab September 2026). A. Lange & Söhne füllt tiefe Kratzer mit Material, statt das Gehäuse bis zum tiefsten Punkt der Kerbe zu polieren.

Und dann ist da die Frage, die sich jeder selbst beantworten muss: Muss der Kratzer überhaupt weg? Mikrokratzer im Alltagsstahl sind normal. Laut Citizen verkratzen Oberflächen und nutzen sich mit der Zeit ab, auch bei ordnungsgemäßer Verwendung. Der eigentliche Schaden entsteht meist nicht durch den Kratzer, sondern durch das wiederholte Wegarbeiten.

Kapitel X · Die Physik

Ultraschallbad: die Regel in drei Sätzen.

Kaum ein Thema wird so widersprüchlich behandelt. Die einen empfehlen das Ultraschallbad als gründlichste Methode, die anderen warnen davor. Beide Seiten haben recht, weil sie über verschiedene Dinge sprechen.

Im Ultraschallbad entstehen durch Druckschwankungen Dampfblasen, die anschließend implodieren. Das ist der Reinigungseffekt. In der Nähe einer festen Oberfläche kollabiert eine solche Blase aber nicht kugelförmig, sondern asymmetrisch: Es entsteht ein feiner Flüssigkeitsstrahl von zehn bis fünfzig Mikrometern Durchmesser, der mit 250 bis 300 Metern pro Sekunde auftrifft.

Und hier liegt der Denkfehler, den die bar-Angabe auf dem Gehäuseboden auslöst: Diese Belastung hat mit statischem Druck nichts zu tun. Die Prüfung nach ISO 22810 misst, ob eine Uhr einem gleichmäßigen Druck standhält. Ein punktueller Mikrostrahl ist ein völlig anderer Lastfall, den keine Wasserdichtigkeitsnorm abbildet. Eine 10-bar-Uhr ist deshalb nicht automatisch ultraschallfest.

Aufschlussreich ist, wer davon abrät. Der Gerätehersteller L&R schreibt selbst vor, den Uhrenkopf abzunehmen und nur das Band zu reinigen, weil die Schwingungen Blasen an Dichtungen vorbeitreiben können. Oris beantwortet die Frage nach dem Haushaltsgerät offiziell mit Nein. Und ein weit verbreitetes Missverständnis sei hier ausgeräumt: Rolex verbietet Ultraschall nicht, im Gegenteil, beim eigenen Komplettservice werden die zerlegten Bauteile ausdrücklich in Ultraschallmaschinen gereinigt. Der Unterschied liegt nicht im Verfahren, sondern darin, ob die Uhr zerlegt ist.

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Die Regel in drei Sätzen

Die komplette, montierte Uhr gehört nie ins Haushalts-Ultraschallgerät. Ein abgenommenes, unbeschichtetes Stahlband ist in der Werkstattpraxis üblich und für zu Hause verzichtbar. Alles Beschichtete, Verklebte, Lederne und jedes Uhrwerk bleibt grundsätzlich draußen.

Wer ein abgenommenes Stahlband trotzdem selbst ins Bad gibt, sollte zwei Details aus der Werkstattpraxis kennen. Das Band gehört hängend in die Wanne, nie lose auf den Boden, wo es im Takt der Schwingungen umherwandert. Werkstätten nehmen dafür kunststoffbeschichtete Halter, ein Metallkorb geht auch, kann polierte Flächen aber fein zerkratzen. Und bei verschraubten Gliedern lohnt danach ein Blick auf die Schrauben, weil sich durch die Vibration einzelne lösen können.

Kapitel XI · Der Faktencheck

Hausmittel im Faktencheck.

Zu jedem Hausmittel gibt es ein Forum, in dem jemand versichert, es funktioniere hervorragend. Meist stimmt das sogar, die Frage ist nur, was es nebenbei anrichtet.

Zahnpasta ist ein Schleifmittel, schon per Definition: Nach dem ADA-Standard darf ihre Abrasivität einen Wert von 250 erreichen. Diese Körnung ist auf Zahnschmelz abgestimmt, nicht auf Uhrenstahl. Auf Satinflächen, Beschichtungen und Entspiegelungen ist der Schaden dauerhaft. Für Backpulver gilt dasselbe mit noch weniger definierter Körnung.

Gebissreinigertabletten wirken tatsächlich, sie enthalten Aktivsauerstoff und Bleichkomponenten. Kein Uhrenhersteller gibt jedoch frei, wie diese Chemie auf Dichtungen, Klebungen und Beschichtungen wirkt. An einem abgenommenen blanken Stahlband mag das vertretbar sein, an der montierten Uhr überwiegt das Risiko.

Essig löst Kalk, greift aber Dichtungen an. Fensterreiniger und andere alkoholhaltige Reiniger schaden laut dem Kunststoffhersteller Röhm dem Acrylglas. Für entspiegelte Gläser genügen mildes Seifenwasser und ein sauberes Tuch. Eigene Vorsicht verdient Alkohol auf Acrylglas. Röhm stuft 2-Propanol (Isopropanol) in seiner Liste zum chemischen Verhalten als bedingt beständig ein, konzentrierten Alkohol und Spiritus dagegen als nicht beständig. In einer Prüfung zeigte 2-Propanol nach sieben Tagen Einwirkzeit Risse, bei einer Minute Einwirkzeit dagegen nicht. Am sichersten halten Sie Alkohol deshalb ganz vom Kunststoffglas fern, Ethanol und Spiritus in jedem Fall.

Manche fragen, ob sich Edelstahl mit WD-40 polieren lässt. Der Hersteller beschreibt das Produkt als Mittel zum Schmieren, Feuchtigkeitsverdrängen, Rostlösen und gegen Korrosion, vom Polieren ist dabei keine Rede. Es hinterlässt einen schützenden Schmierfilm auf der Oberfläche. An Dichtungen hat es zudem nichts zu suchen, weil manche Gummisorten bei längerem Kontakt aufquellen können.

Kapitel XII · Die Vermeidung

Gar nicht erst schmutzig werden lassen.

Am wenigsten Aufwand haben Sie, wenn Schmutz gar nicht erst entsteht. Vier Gewohnheiten ersparen den größten Teil der Arbeit.

Kosmetik vor der Uhr. Parfum, Handcreme, Sonnenschutz, Desinfektionsmittel und Insektenschutz gehören auf die Haut, bevor die Uhr angelegt wird, und sollten eingezogen sein. Besonders relevant ist DEET, der Standardwirkstoff in Insektenschutzmitteln: Er wirkt als Weichmacher und kann Kunststoffe, Uhrengläser sowie lackierte und beschichtete Oberflächen angreifen.

Die Uhr bei bestimmten Gelegenheiten ablegen. Beim Sport, in der Sauna und beim Schlafen. Sport bedeutet Schweiß und Stöße, Sauna bedeutet Hitze für die Dichtungen, und nachts arbeitet das Band nur unnötig.

Das Band richtig eng tragen. Ein zu lockeres Gliederband verschleißt schneller, weil die Glieder ständig gegeneinander arbeiten und dabei Schmutz ins Gelenk ziehen. Grand Seiko nennt als Maß: gerade so viel Luft, dass ein Finger zwischen Band und Handgelenk passt. Das reduziert zugleich die Reibung auf der Haut. Sitzt das Band trotzdem zu locker, lässt es sich um einzelne Glieder kürzen. Wie das Schritt für Schritt geht, zeigt der Ratgeber Uhrenarmband kürzen.

Die Krone gelegentlich bewegen. Das klingt wie das Gegenteil aller Vorsicht, ist aber Herstellerempfehlung: Grand Seiko und Casio raten dazu, Krone und Drücker ab und zu zu betätigen, damit sich im Kronenrohr keine Salz- und Schmutzreste festsetzen. Natürlich an der trockenen Uhr.

Kapitel XIII · Der Rhythmus

Wie oft? Nach Beanspruchung, nicht nach Kalender.

Die Empfehlungen im Netz schwanken zwischen wöchentlich und zweimal im Jahr. Der Grund für diese Spannweite ist einfach: Kein Uhrenhersteller veröffentlicht ein Reinigungsintervall. Jede Zahl, die Sie lesen, ist eine Schätzung.

Sinnvoller ist derselbe Grundsatz, den wir bei der Lederpflege anwenden: nach Beanspruchung handeln, nicht nach Datum.

TrageprofilReflex nach dem EreignisRoutine
Büro, Schreibtisch, wenig SchweißNach dem Ablegen kurz abwischenWöchentlich 60 Sekunden, gründlich alle 2 bis 3 Monate
Werkstatt, Handwerk, StaubVor dem Wischen abspülen, nie trocken über StaubWöchentlich gründlich, Endgliedspalt und Schließe im Blick
Sport, starkes SchwitzenDirekt danach Schweiß abwischenGründlich alle 1 bis 2 Wochen, Uhr beim Sport möglichst ablegen
Meer, SchwimmbadImmer am selben Tag mit Süßwasser spülen: Band, Schließe, Gehäuseboden, Bereich um die KroneZusätzlich zur normalen Routine
Sommer, Sonnencreme, InsektenschutzUhr vor dem Eincremen ablegen, Reste am selben Tag entfernenWöchentlich gründlich
Selten getragen, im EtuiVor dem Weglegen abwischen und trocken lagern1 bis 2 Grundreinigungen pro Jahr
Kapitel XIV · Der unangenehme Teil

Was auf einem Armband tatsächlich lebt.

Eine Uhr wird täglich getragen, selten abgelegt und noch seltener gereinigt. Dass sich darauf etwas ansiedelt, ist keine Überraschung, die Größenordnung schon.

In einer explorativen Untersuchung an zwanzig Armbändern waren 95 Prozent mikrobiell besiedelt. Staphylokokken fanden sich auf 85 Prozent der Bänder, Darmbakterien auf 60 Prozent. Die Stichprobe ist klein, die Zahlen sind daher als Hinweis zu lesen und nicht als belastbare Statistik.

Interessanter als die Belastung ist der Materialvergleich: Metall schnitt mit Abstand am besten ab, Gummi und Kunststoff um Größenordnungen schlechter. Die Autoren führen das auf die glatte, porenfreie Oberfläche zurück, auf der sich schlicht weniger festsetzen kann.

Ein Punkt ist dabei wichtig und wird oft vermischt: Seife reinigt, sie desinfiziert nicht. Für den Alltag reicht Reinigen völlig aus. Wenn Sie desinfizieren wollen, bleibt ein Zielkonflikt: 70-prozentiger Alkohol wirkt mikrobiologisch hervorragend, greift aber Dichtungen, Lackierungen, Leuchtmasse und Acrylglas an. Falls überhaupt, dann punktuell auf blankem Metall mit einem Wattestäbchen, niemals tauchen und nie auf Leder, Textil oder Kunststoffglas.

Kapitel XV · Wenn es juckt

Wenn die Haut unter der Uhr reagiert.

Rötungen unter der Uhr haben meist eine harmlose Ursache, aber es lohnt sich, zwei Fälle zu unterscheiden, weil die Konsequenz unterschiedlich ist.

Eine Reizung entsteht durch eingeschlossene Feuchtigkeit, Seifenreste im Band oder ein zu eng sitzendes Armband. Sie zeigt sich zeitnah und klingt nach dem Ablegen rasch ab. Meist hilft schon: gründlicher nachspülen, das Band besser trocknen, den Sitz korrigieren.

Eine Kontaktallergie verhält sich anders. Sie tritt verzögert auf, oft erst nach Stunden, und hält deutlich länger an. Der häufigste Auslöser ist Nickel. In der EU gilt für hautnah getragene Erzeugnisse ein Grenzwert für die Nickelfreisetzung, geprüft wird er nach EN 1811 in einer Kunstschweißlösung über eine Woche. Guter Edelstahl der Sorte 316L enthält zwar Nickel, gibt aber sehr wenig davon ab, und genau darauf kommt es an.

Wichtig ist die saubere Trennung: Wenn Beschwerden anhalten, wiederkehren oder sich ausbreiten, gehört das dermatologisch abgeklärt. Ein Reinigungsartikel kann Ihnen sagen, wie Sie eine Reizung vermeiden, aber keine Diagnose ersetzen.

Kapitel XVI · Die Grenze

Wann der Uhrmacher übernimmt.

Es gibt vier Befunde, bei denen die eigene Routine endet und ein Fachbetrieb übernimmt.

Beschlag unter dem Glas ist nicht automatisch ein Notfall. Nach plötzlicher Abkühlung ist er laut Casio kein Problem, wenn er zügig aufklart. Bleibt er oder stehen länger Tröpfchen im Gehäuse, ist die Uhr laut Grand Seiko nicht mehr vollständig wasserdicht. Dann sollten Sie rasch zum Uhrmacher. Auch Cartier rät bei Kondensation zum schnellstmöglichen Service. Kein Föhn, kein Heizkörper, keine Reisschüssel. Spürbares Spiel im Band oder eine Schließe, die nicht mehr sauber schließt. Jeder Riss im Glas, auch ein feiner, weil die Dichtheit damit hinfällig ist. Und ein Federsteg, der beim Prüfen nachgibt, denn das ist die häufigste Ursache für eine verlorene Uhr.

Ein Hinweis zur Beauftragung: Reinigung und Aufarbeitung sind zwei verschiedene Leistungen. Reinigung meint das gründliche Säubern von Gehäuse und Band. Aufarbeitung bedeutet, dass Oberflächen neu satiniert und poliert werden, also Material abgetragen wird. Sagen Sie im Gespräch ausdrücklich, was Sie wollen, und lassen Sie sich einen Kostenvoranschlag geben. Wer nur reinigen lassen wollte und eine aufgearbeitete Uhr zurückbekommt, hat ihr Finish verloren.

Was hier nicht hineingehört, ist die große Werksrevision. Wie oft sie nötig ist, was dabei passiert und was sie kostet, steht im nächsten Kapitel zur Uhr-Revision. Die Außenreinigung, um die es hier ging, hat damit nichts zu tun. Wer ein offenes Zifferblatt hat, sieht Staub übrigens früher als andere, auch das ist kein Grund, selbst ins Werk zu gehen.

Kapitel XVII · Der große Service

Uhr-Revision: wie oft, was passiert, was sie kostet.

Eine Revision ist der große Service am Werk: Die Uhr wird zerlegt, gereinigt, neu geölt und reguliert. Danach werden die Dichtungen erneuert und die Wasserdichtheit erneut geprüft. Anders als die äußere Reinigung aus den Kapiteln davor öffnet eine Revision das Werk selbst. Wie Sie eine Automatik zwischen den Revisionen richtig aufziehen und stellen, zeigt der Ratgeber Automatikuhr aufziehen. Wie oft eine Revision nötig ist, beantworten die Hersteller sehr unterschiedlich. Seiko nennt für die mechanischen Kaliber 4R und 6R etwa 2 bis 3 Jahre, Rolex und Tudor empfehlen etwa 10 Jahre. Maßgeblich ist am Ende immer die Angabe des eigenen Herstellers in Anleitung oder Garantieheft.

Was bei einer Revision passiert

Rolex beschreibt den Ablauf im Detail: Ein Uhrmacher begutachtet die Uhr und erstellt einen Kostenvoranschlag. Dann wird sie komplett zerlegt und jedes Teil im Ultraschallbad gereinigt. Nicht mehr passende Teile werden ersetzt, das Werk wird geschmiert und mindestens 24 Stunden getestet, zuletzt folgt ein Drucktest unter Wasser. Was ein solcher Test über die Wasserdichtheit aussagt, erklärt der Beitrag Wasserdichtigkeit bei Uhren. Omega beschreibt einen ganz ähnlichen Ablauf in acht Schritten. Dazu gehören unter anderem der Austausch verschlissener Bauteile durch Original-Ersatzteile und die Einstellung des Werks samt Prüfung seiner Parameter.

Hersteller unterscheiden dabei oft zwischen einer kleinen und einer großen Revision. Bei Junghans kommt der kleine Unterhaltsdienst ohne Zerlegen des Werks aus, der große umfasst Zerlegen, Reinigen und Ölen, dazu bei beiden auch das Entmagnetisieren. Bruno Söhnle trennt ähnlich zwischen dem kleinen Service M1 und dem großen Service M2, ebenfalls inklusive Entmagnetisieren. Tissot geht noch weiter und unterscheidet drei Stufen, wobei der Kleine Service ganz ohne Öffnen des Gehäuses auskommt. Der Teilservice reinigt Gehäuse und Band gründlich, erneuert Dichtungen und bei Quarzuhren die Batterie, ohne das Werk zu zerlegen. Erst die Komplettwartung überholt oder ersetzt das Uhrwerk selbst und reguliert bei mechanischen Kalibern zusätzlich den Gang.

Viele Hersteller ersetzen die Dichtungen bei der Revision grundsätzlich, statt sie nur zu prüfen. Ob dabei auch das Gehäuse poliert wird, ist von Marke zu Marke verschieden, die Übersicht dazu steht im Kapitel Kratzer entfernen.

Wie oft: was die Hersteller empfehlen

Wie unterschiedlich die Empfehlungen ausfallen, zeigt die folgende Übersicht mit dem jeweiligen Geltungsbereich.

Revisionsintervalle laut Herstellern
HerstellerEmpfehlungGilt für
SeikoEtwa alle 2 bis 3 JahreMechanische Kaliber 4R und 6R
CitizenAlle 2 bis 3 JahreMechanisches Kaliber 9051
Grand SeikoEtwa alle 3 bis 4 JahreMechanisch und Quarz 9F
Glashütte OriginalAlle 3 bis 5 JahreAlle Uhren
OrisAlle 3 bis 5 Jahre, Kaliber 400 alle 10 JahreMechanische Uhren
NOMOSAlle 3 bis 5 Jahre, an anderer Stelle „in der Regel alle fünf Jahre“Mechanische Uhren
Tissot, Mühle-Glashütte, StowaAlle 4 bis 5 JahreBei Tissot ohne Werkart-Unterscheidung, Mühle und Stowa nur mechanisch
JunghansAlle 4 bis 6 JahreAlle Uhren
BreitlingKomplettservice alle 4 bis 6 Jahre, Wartungsservice alle 2 JahreMechanisch und Quarz
A. Lange & SöhneAlle 5 bis 7 JahreMechanische Uhren
OmegaAlle 5 bis 8 JahreOhne Unterscheidung nach Werkart
LonginesAlle 6 bis 8 Jahre laut Kundendienst-Seite, im Markenjournal etwa alle 5 JahreMechanische Uhren
Bruno SöhnleNach 6 bis 10 JahrenAuch für Quarz
Patek PhilippeAlle 8 bis 10 JahreQuarz und Mechanik
Rolex, TudorEtwa alle 10 JahreMechanische Uhren
Zentralverband für Uhren, Schmuck und ZeitmesstechnikEtwa alle 5 JahreMechanische Uhren
IWC, HamiltonKein festes Intervall; IWC rät, erst bei nachlassender Leistung oder Genauigkeit zum Service zu gehenAlle Modelle

Quellen: Anleitungen, FAQ und Preislisten der Hersteller, Stand September 2026.

Wie stark die Empfehlungen schwanken, hängt auch an Nutzung und Umgebung, betonen sowohl Omega als auch Junghans. Glashütte Original nennt offen die Gründe für die Spannweite: klimatische Bedingungen und die eigene Pflege der Uhr. A. Lange & Söhne schmiert mit harzfreien synthetischen Ölen und Fetten und hält trotzdem fest: Jede mechanische Uhr unterliegt einem Verschleiß.

Anzeichen: wann die Uhr früher zum Uhrmacher sollte

Drei Anzeichen sprechen für einen früheren Termin, auch wenn das reguläre Intervall noch nicht erreicht ist. Geht die Uhr deutlich vor oder nach, oder bleibt sie stehen, kann das laut Seiko und Cartier an gealtertem Öl im Werk liegen. Welche Ursachen außerdem infrage kommen, von der Regulierung bis zum Magnetismus, ordnet der Beitrag Uhr geht vor oder nach ein. Seiko nennt in der eigenen Störungstabelle „länger als 3 Jahre nicht gewartet“ ausdrücklich als mögliche Ursache. Eine anhaltende Trübung unter dem Glas bedeutet laut Seiko, dass durch eine verschlissene Dichtung Wasser eingedrungen ist, anders als ein Beschlag, der zügig aufklart (Kapitel XVI). Einen Wert kann nur der Uhrmacher messen: Die Amplitude, also der Schwung der Unruh, sinkt laut dem Zeitwaagen-Hersteller Witschi mit zunehmend alterndem Öl.

Auch Quarzuhren brauchen Service

Revision ist kein reines Mechanik-Thema. Seiko empfiehlt für den Solar-Quarz-Chronographen V192 und Grand Seiko für das Kaliber 9F beide etwa alle 3 bis 4 Jahre eine Überholung. Citizen empfiehlt für das Eco-Drive-Kaliber E16x eine Inspektion alle 2 bis 3 Jahre. Casio empfiehlt, die Dichtungen etwa im selben Rhythmus zu tauschen und die Wasserresistenz bei jedem Batteriewechsel zu prüfen. Patek Philippe und Bruno Söhnle gehen noch weiter und nennen für Quarzuhren dieselben Intervalle wie für mechanische Modelle.

Eine leere Batterie sollten Sie zügig tauschen lassen. Sowohl Seiko als auch Omega warnen, dass eine ausgelaufene Batterie die Uhr beschädigen kann. Wie lange eine Batterie hält, ist ohnehin markenabhängig: Casio nennt für manche Module etwa 5, für andere etwa 7 Jahre, Patek Philippe rechnet mit 2 bis 3 Jahren. Wie der Wechsel abläuft und worauf Sie achten sollten, steht im Beitrag Uhrenbatterie wechseln.

Was eine Revision kostet

Für ein mechanisches Dreizeigerwerk reichen die Herstellerpreise in der Übersicht von 220 € bei Tissot bis ab 1.100 € bei A. Lange & Söhne (Preisliste Stand Mai 2022).

Revisionspreise laut Preislisten
AnbieterMechanik, DreizeigerQuarzHinweis
Tissot220 €130 €Komplettwartung
Hamilton240 €170 €Komplettwartung
Junghans320 € (Automatik)200 €Großer Unterhaltsdienst, UVP
Stowa329 €keine AngabeZzgl. Versand
Sinn340 €keine Angabe395 € mit Ar-Trockenhaltetechnik
Bruno Söhnle380 €160 bis 310 €Großer Service, UVP
Longines380 €255 €Vollständige Wartung
NOMOS250 bis 480 €keine AngabeGroße Revision je Kaliber, zzgl. Porto
Breitling620 €495 €Komplettservice, Höchstpreis, mit Politur
Omega800 €550 €UVP, Edelstahl ohne Chronograph, mit Politur
A. Lange & Söhneab 1.100 €keine AngabePreisliste Stand Mai 2022
Patek Philippe1.000 CHF (Automatik)600 CHFHöchstpreise ohne Steuern

Preise inkl. MwSt. laut Preislisten der Anbieter, abgerufen im September 2026. Die Listen von Junghans gelten ab Juni 2024, von Bruno Söhnle ab Mai 2025; Patek in Schweizer Franken ohne Steuern.

Freie Werkstätten nennen niedrigere Einstiegspreise, rechnen Ersatzteile aber meist extra: Die Uhren Klinik verlangt ab 120 € für Handaufzugswerke und ab 160 € für Automatikwerke. Der Uhrmacher Kevin Gries berechnet 199 € für eine Automatik-Revision plus ein Ersatzteilpaket ab 99 € (Preisliste gültig ab August 2026), dazu etwa 7 € je Dichtung und 20 € für eine Krone. Die Uhrenmacherei in Berlin nennt Preise ab etwa 180 €, Tourby ab 250 € ohne Ersatzteile.

Rolex, Oris, Mühle-Glashütte und Glashütte Original veröffentlichen keine Preise und verweisen auf den individuellen Kostenvoranschlag. Glashütte Original begründet das mit Zustand und Alter der jeweiligen Uhr sowie dem Umfang der gewünschten Leistungen. Dazu können Nebenkosten kommen: Sinn berechnet für den Kostenvoranschlag 20 €, die bei einem Auftrag angerechnet werden. Lehnen Sie den Kostenvoranschlag ab, verlangt Junghans 30 € plus 10,12 € Rückversand, Breitling pauschal 30 €. Eine reine Wasserdichtheitsprüfung kostet beim Lübecker Uhrenservice je nach Prüfdruck 6 bis 15 € (Stand Juni 2024).

Dauer und Garantie

Rechnen Sie mit Wochen, nicht mit Tagen. Rolex und Tudor nennen mindestens vier bis sechs Wochen, Jaeger-LeCoultre vier bis sechs Wochen. IWC braucht etwa vier Wochen, Mühle-Glashütte etwa acht. Bei Patek Philippe dauert der Service sechs bis zwölf Wochen, bei Sinn je nach Aufwand vier bis achtzehn Wochen.

Auf die fertige Arbeit gibt es meist 24 Monate Garantie: bei Rolex, Omega, Tissot, Longines, Junghans, IWC, A. Lange & Söhne, Patek Philippe, Mühle-Glashütte und Jaeger-LeCoultre. Oris gewährt ein Jahr. NOMOS gibt zwei Jahre auf die Leistung und ein Jahr auf die Wasserdichtheit.

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Zwei Uhren, zwei Reinigungslogiken.

Warum es keine einheitliche Routine für alle Uhren gibt, zeigt der Unterschied zwischen unseren beiden Linien. Die Nova trägt Saphirglas mit beidseitiger Entspiegelung und ein italienisches Lederband: Beim Reinigen bleibt das Leder trocken, und in Glasnähe kommt nichts Polierendes zum Einsatz. Die Pulsar trägt ein Edelstahlband, das sich abspülen lässt, dafür aber gehärtetes Mineralglas, das mit Mohs-Härte 5 weicher ist als Quarzstaub. Genau deshalb ist bei ihr die Regel erst spülen, dann wischen praktisch relevant: Sie entscheidet zwischen Klarsicht und Schleier.

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Häufige Fragen

Häufige Fragen zur Uhrenreinigung

Wie oft sollte man eine Armbanduhr reinigen?+
Kein Hersteller veröffentlicht ein festes Intervall, deshalb richtet sich die Routine nach der Beanspruchung. Im Büro genügen 60 Sekunden pro Woche und eine gründliche Reinigung alle zwei bis drei Monate. Wer viel schwitzt oder in staubiger Umgebung arbeitet, reinigt wöchentlich gründlich. Nach Kontakt mit Salzwasser gilt: noch am selben Tag.
Womit reinigt man ein Edelstahl-Uhrenarmband richtig?+
Lauwarmes Wasser, ein Tropfen zusatzfreie Seife und eine weiche Zahnbürste reichen für alles. Wichtig sind die Stellen, an die man selten kommt: die Innenseite der Faltschließe, der Sicherheitsbügel und der schmale Spalt zwischen Endglied und Gehäuse. Dort hilft ein Holzzahnstocher, der weich genug ist, um Stahl nicht zu ritzen.
Darf man eine Uhr mit Spülmittel reinigen?+
Besser nicht. Das Problem ist nicht die Seife, sondern die Zusätze: Rückfettende Pflegestoffe hinterlassen genau die Filme in Gliederzwischenräumen und Schließe, die Sie eigentlich entfernen wollen. Hersteller schreiben durchgängig milde, neutrale und zusatzfreie Seife vor, dazu gründliches Klarspülen. Scheuermittel, Chlorbleiche und Edelstahlreiniger haben an einer Uhr nichts zu suchen.
Kann man eine Uhr im Ultraschallbad reinigen?+
Die komplette montierte Uhr gehört nicht hinein. Selbst der Gerätehersteller L&R schreibt vor, den Uhrenkopf abzunehmen, weil die Schwingungen Flüssigkeit an Dichtungen vorbeitreiben können. Ein abgenommenes, unbeschichtetes Stahlband ist in der Werkstattpraxis üblich. Beschichtete Teile, Leder, Textil und alles Verklebte bleiben grundsätzlich draußen.
Meine Uhr hält 10 bar aus, reicht das fürs Ultraschallbad?+
Nein, das sind zwei verschiedene Belastungsarten. Die bar-Angabe beschreibt statischen Prüfdruck im Neuzustand. Im Ultraschallbad entstehen implodierende Blasen, die in Wandnähe feine Flüssigkeitsstrahlen mit mehreren hundert Metern pro Sekunde erzeugen. Diese punktuelle Belastung bildet keine Wasserdichtigkeitsnorm ab, egal wie hoch die bar-Zahl ist.
Darf ich mein Metallarmband unter fließendes Wasser halten?+
Besser nicht unter den vollen Strahl. Grand Seiko empfiehlt ausdrücklich, Wasser in eine Schale zu geben und die Uhr einzutauchen, Breitling erlaubt allenfalls einen dünnen Strahl. Dynamischer Strahldruck ist ein anderer Lastfall als die geprüfte Statik. Voraussetzung bleibt in jedem Fall eine geschlossene, bei verschraubten Kronen festgezogene Krone.
Wie bekomme ich Schmutz zwischen den Bandgliedern heraus?+
Mit lauwarmem Seifenwasser einweichen, dann mit weicher Zahnbürste längs und quer über die Gliederzwischenräume bürsten. Für den Spalt zwischen Endglied und Gehäuse nehmen Sie einen Holzzahnstocher, für die Rückseite ein Stück Zahnseide, das Sie unter dem Endglied durchfädeln und hin und her ziehen. Danach gründlich nachspülen, sonst bleibt Seife in den Gelenken zurück und bindet neuen Schmutz schnell.
Mein Metallarmband quietscht, was hilft?+
Reinigen statt ölen. Das Geräusch entsteht meist durch Schmutz und Schweißreste in den Gelenken. Öl, Babyöl oder Kriechspray wirken nur kurz und binden danach neuen Schmutz, der im Gelenk wie Schleifpaste arbeitet. Weichen Sie das Band in lauwarmem Seifenwasser ein, bürsten Sie die Gelenke aus und spülen Sie klar nach.
Warum verfärbt mein Uhrenarmband die Hemdmanschette?+
Ein gelblicher Rand stammt laut Seiko und Grand Seiko aus Rost und Schweiß in den Gliederspalten, auch Citizen warnt vor Flecken an der Manschette. Die Lösung ist gründliches Reinigen und vor allem Trocknen der Zwischenräume. Bei schwarzgrauem Abrieb berichten Uhrenträger von Rückständen eines Poliertuchs zwischen den Gliedern. In beiden Fällen sitzt die Ursache im Spalt.
Was tun, wenn die Faltschließe riecht oder dunkel anläuft?+
Das ist fast immer ein Reinigungsthema, kein Defekt. Die Schließe liegt dauerhaft auf der Haut, hat Bügel, Scharniere und Innenflächen und wird am seltensten gereinigt. Klappen Sie sie vollständig auf und bürsten Sie die Innenseiten mit Seifenwasser aus. Verschmutzung ist zugleich eine häufige Ursache für schwergängige oder ausleiernde Schließen.
Wie entferne ich Kratzer aus dem Uhrengehäuse?+
Als Faustregel gilt der Fingernageltest: Was Sie mit dem Nagel ertasten können, ist zu tief für ein Poliertuch und gehört in den Fachbetrieb. Feine Mikrokratzer auf hochglanzpolierten Fasen lassen sich vorsichtig auspolieren, an satinierten Flächen richtet Politur dagegen mehr Schaden an als der Kratzer selbst. Sehr tiefe Spuren beseitigt IWC beim großen Service per Laserschweißen.
Kann man Kratzer aus gebürstetem Edelstahl entfernen?+
Nicht mit Politur. Eine gebürstete Fläche ist gerichtet verkratztes Metall mit einer feinen Riefenstruktur. Politurpaste glättet diese Riefen, die Fläche wird glänzend und die scharfe Trennlinie zur polierten Fase verschwimmt. Wiederherstellen lässt sich das nur durch Nachsatinieren in exakt der Original-Schleifrichtung, und das ist ein Werkstattschritt.
Darf ich Cape-Cod-Tücher auf gebürsteten Flächen benutzen?+
Der Hersteller rät selbst davon ab: Cape-Cod-Tücher sind für alle feinen Metalle gedacht, aber nicht für gebürstete oder satinierte Flächen empfohlen, dafür gibt es ein eigenes Pflegemittel. Bei plattierten Teilen mahnt er zu Vorsicht, weil sich die dünne Schicht ganz abtragen lässt. Oris und Breitling arbeiten DLC-beschichtete Gehäuse nicht auf, Sinn keine geschwärzten Oberflächen.
Ist Zahnpasta zum Uhr polieren geeignet?+
Nein. Zahnpasta ist ein Schleifmittel mit undefinierter Körnung für die Uhrenoberfläche, ihre Abrasivität ist auf Zahnschmelz abgestimmt und darf nach ADA-Standard bis zu einem Wert von 250 reichen. Auf Satinflächen, Beschichtungen und Entspiegelungen ist der Schaden nicht rückgängig zu machen. Dasselbe gilt für Backpulver und Scheuermilch.
Was kostet es, eine Uhr polieren zu lassen?+
Das hängt stark vom Anbieter ab. Die Uhrmacherwerkstatt Berlin nennt Richtpreise (Stand März 2026) ab 25 € für Lünette oder Schließe und ab 150 € für Band und Gehäuse aus Edelstahl. Hersteller laut Preisliste, Stand September 2026: NOMOS 75 bis 110 €, Sinn ab 200 € zusätzlich zur Revision, Breitling höchstens 140 € zusätzlich zum Wartungsservice.
Poliert der Hersteller die Uhr beim Service automatisch?+
Das kommt auf die Marke an. Omega, Oris, Breitling, NOMOS, Longines und Grand Seiko polieren im Komplettservice standardmäßig mit. Bei IWC und Tudor ist die Politur optional, Patek Philippe poliert nur auf Kundenwunsch, Rolex laut Ablaufbeschreibung auf Wunsch. Sagen Sie deshalb beim Auftrag klar, was Sie wollen.
Kann ich Edelstahl mit WD-40 polieren?+
Nicht im Sinne des Herstellers: Laut WD-40 ist das Produkt entwickelt, um zu schmieren, Feuchtigkeit zu verdrängen, Rost zu lösen und vor Korrosion zu schützen. Polieren nennt der Hersteller nicht. Das Produkt hinterlässt zudem einen Schmierfilm. An Dichtungen sollte es nicht kommen, weil manche Gummisorten bei längerem Kontakt aufquellen können.
Verliert eine Uhr durch Polieren an Wert?+
Bei Vintage- und Sammleruhren oft ja. Laut einem Spezialisten des Auktionshauses Sotheby's verrät sich eine Politur meist an den Bandanstößen, weil sich deren Proportionen kaum polieren lassen, ohne sie zu verändern. Erfahrene Sammler greifen laut Phillips lieber zu unpolierten Modellen. Eine Restaurierung, die die charakteristischen Merkmale erhält, wird laut Sotheby's aber zunehmend akzeptiert.
Hilft Gebissreiniger beim Uhrenarmband reinigen?+
Der Reinigungseffekt ist real, das Risiko aber schlecht kalkulierbar. Die Tabletten enthalten Aktivsauerstoff und Bleichkomponenten, deren Wirkung auf Dichtungen, Klebungen und Beschichtungen kein Hersteller freigibt. Für ein blankes, abgenommenes Stahlband mag es funktionieren, an der montierten Uhr überwiegt der mögliche Schaden den Nutzen deutlich.
Muss die Krone vor dem Reinigen geschlossen sein?+
Unbedingt, und bei verschraubten Kronen zusätzlich festgeschraubt. Die Krone ist die häufigste Eintrittsstelle für Wasser. Betätigen Sie sie niemals unter Wasser und auch nicht an der noch nassen Uhr, und lösen Sie eine verschraubte Krone nie im nassen Zustand. Rolex weist ausdrücklich darauf hin, vor jeder Reinigung den festen Sitz zu prüfen.
Wie reinige ich das Uhrenglas ohne Kratzer?+
Erst anfeuchten oder abspülen, dann wischen, niemals trocken über staubiges Glas. Ein sauberes Mikrofasertuch genügt, Papiertaschentücher sind zu grob. Glasreiniger und Poliermittel bleiben weg: Bei entspiegelten Gläsern ist die Beschichtung weicher als das Glas darunter und damit die empfindlichste Fläche der ganzen Uhr.
Warum wird die Haut unter der Uhr rot?+
Meist ist es eine Reizung durch eingeschlossene Feuchtigkeit, Seifenreste im Band oder ein zu eng sitzendes Armband, und sie klingt nach dem Ablegen rasch ab. Eine echte Kontaktallergie zeigt sich verzögert und hält länger an. Für hautnahe Erzeugnisse gilt in der EU ein Grenzwert für die Nickelfreisetzung. Bei anhaltenden Beschwerden gehört das ärztlich abgeklärt.
Wie trocknet man eine Uhr nach dem Reinigen richtig?+
Abwischen genügt nicht, weil Restwasser zwischen den Gliedern, unter der Schließe und in den Federstegbohrungen stehen bleibt. Genau dort entsteht Spaltkorrosion. Wischen Sie die Zwischenräume gezielt aus, lassen Sie die Uhr anschließend etwa zehn Minuten an der Luft nachtrocknen. Föhn und Heizkörper sind tabu, Wärme belastet die Dichtungen.
Wie oft muss eine Uhr zur Revision?+
Das legen die Hersteller sehr unterschiedlich fest. Seiko empfiehlt für die mechanischen Kaliber 4R und 6R etwa 2 bis 3 Jahre, Tissot, Mühle-Glashütte und Stowa nennen 4 bis 5 Jahre, Omega 5 bis 8. Patek Philippe nennt 8 bis 10, Rolex und Tudor etwa 10 Jahre. Maßgeblich ist die Angabe in Anleitung oder Garantieheft der eigenen Uhr.
Was kostet eine Revision?+
Laut Preislisten (abgerufen September 2026) beginnen freie Werkstätten wie die Uhren Klinik bei 120 € für Handaufzug und 160 € für Automatik, Ersatzteile extra. Hersteller verlangen mehr, etwa Tissot 220 €, Longines 380 €, Omega 800 € ohne Chronograph. A. Lange & Söhne beginnt laut Preisliste von Mai 2022 bei 1.100 €.
Was wird bei einer Revision gemacht?+
Die Uhr wird komplett zerlegt und jedes Teil im Ultraschallbad gereinigt. Verschlissene Teile werden ersetzt, das Werk wird neu geölt und reguliert. Anschließend erneuern die meisten Hersteller sämtliche Dichtungen und prüfen die Wasserdichtheit, oft mit einem mehrtägigen Test danach. Ob dabei auch das Gehäuse poliert wird, hängt von der Marke ab.
Braucht eine Quarzuhr eine Revision?+
Ja. Patek Philippe und Bruno Söhnle nennen für Quarz dieselben Intervalle wie für Mechanik. Seiko rät beim Solar-Quarz-Chronographen V192 etwa alle 3 bis 4 Jahre zur Überholung, Grand Seiko beim Kaliber 9F ebenso. Citizen nennt für das Eco-Drive-Kaliber E16x alle 2 bis 3 Jahre eine Inspektion. Casio rät, die Dichtungen im selben Rhythmus zu tauschen.
Andre Hörner, Geschäftsführer Hörner GmbH
Über den Autor
Andre Hörner
Geschäftsführer Hörner GmbH

Andre Hörner führt die Hörner GmbH seit 2016 und kennt das Sortiment aus tausenden Geschenk-Bestellungen, Gravur-Aufträgen und E-Mail-Anfragen. Seine Blog-Beiträge basieren auf realen Bestelldaten und der Erfahrung aus dem täglichen Kundenkontakt im Hörner-Online-Shop.

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